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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

Schläge von Jena und Auerstädt fielen; und am 18. Oktober, währendder Michaelismessc, rückten die Franzosen ein in der Hauptstadt desdeutschen Buchhandels. Von einein Buchhändler selbst könnten wir unsihren Einmarsch erzählen lassen; Wilhelm Zirges beschreibt ihn in seinenLebenserinncrungen: wie die Buden hastig abgebrochen und Waren undsonstiges Hab und Gut in Sicherheit gebracht wurden, die Plätze sichmit Biwaks bedeckten, die Häuser sich mit Soldaten füllten. Auch errühmt die Energie des französischen Platzkommandanten und des General-intendanten, die rasch Ordnung in das Chaos brachten.Der gewöhn-liche Geschäftsgang kehrte in sein altes Geleis zurück und nur derBuchhandel fiel unter der Wucht der Kricgsereignisse zu einem Nichtsherab, aus dem nur noch Partheischristen, wie die , Fcuerbräude' beiHeinrich Gräsf, und Gelcgenheits-Piecen hervorgingen."^

In der That, mit dem Jahre 1806 begannen die sieben Leidens-jahre auch des Buchhandels, die sieben Jahre, in denen es nach FriedrichArnold Brockhaus auch für den thätigsten, fleißigsten und verständigstenGeschäftsmann unmöglich war, geschäftliche Berechnungen über die Dauereines halben Jahres hinaus anzustellen.

Bis zum Jahre 1805 zeigen die Meßkataloge resp. die Hinrichsschcnhalbjährlichen Verzeichnisse, die, erscheinend seit 1797, .mit dem Jahre1801 durch das Medium des Schwetschkeschen Lockex nunäiimi'ins unsernstatistischen Angaben zu Grunde zu liegen beginnen, ein stetiges Auf-steigen der Verlagsproduktion: mit 4181 Artikeln erreichten sie imJahre 1805 den höchsten Gipfel seit Beginn ihres fast dritthalbhundcrt-jährigen Bestehens; in einem Menschenaltcr (seit dem Jahre 1777)hatte sich die Produktion von halber Höhe bis hierher erhoben. ImJahre 1806 stürzt sie in schroffem Abfall auf eine um nicht wenigerals 800 Artikel niedrigere Stufe herab; und von da geht der Absturzweiter, bis die Produktion im Jahre 1813 auf eine Stufe zurück-gesunken ist, die um mehr als ein Menschenalter, um 35 Jahre zu-rücklag (2323 Artikel).

Die Leipziger Messe haben die Wogen des Kriegs nicht weg-gespült, und mit der Warenmesse ist auch die Büchermesse bis zum Jahre1812 regelmäßig abgehalten worden. Freilich mit vermindertem Besuch,vermindertem Umsatz, verminderter Zahlung; und je geringer die Geschäftewaren, um so schwerer fielen die Reise- und übrigen Meßspescn (zu denen