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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Dic sieben Leidcnsjahrc.

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Beiträge zur Tilgung der Kriegsschulden, erhöhtes Wegegeld u. dcrgl.kamen) ins Gewicht.

Die Hemmung des Bücherverkchrs durch Preußen nach den Städtenim Norden Deutschlands und nach Skandinavien war teilweise eine voll-kommene; Sendungen, die seit August 1806 nach Stralsund, Greifs-wald u. s. w. verschrieben wurden, lagerten bis in den April 1807 inBerlin . Allgemeiner, gleichmäßiger drückte dic Zerrüttung der Geldver-hältnissc. Verloren doch im Jahre 1806 in Wien die Bancozettel 38bis 40 Procent, und wurden doch im Jahre 1807 in Breslau für baresGeld gegen hinlängliche Sicherheit bis zu 20 "/ Interessen gegeben.^ DerNovember 1806 brachte die Kontinentalsperre und damit die Unter-bindung des Absatzes nach England . Außerordentlich waren die Verände-rungen, die die allgemeine Lage in der Verbindung mit Nußland her-vorbrachte. Es ergingen geschärfte Ausfuhrverbote gemünzten Geldesaus Rußland ; der Stand der russischen Papiere wurde immer schlechter;die Zahlungen aus Nußland und Livlaud, bei dem niedrigen Stande desrussischen Wechselkurses fast unmöglich, blieben immer mehr und immerlänger aus. Der deutsche Buchhandel hatte schon lange über Saum-seligkeit uud Unsicherheit der russischen Geschäftsfreunde geklagt; bei derdoppelten Ungunst der derzeitigen Verhältnisse ergriff ihn eine steigendeAbneigung, sich mit Petersburger und andern russischen Handlungenüberhaupt einzulassen. Warnende Beispiele standen allen vor Augcu.'Russische Verluste führten kurz vor Michaelis 1807 den Sturz des an-gesehenen Leipziger Buchhändlers Jacobücr herbei, dessen Fallissementsich auf 110000 Thaler bclicf. Der Handel nach Rußland ging umdiese Zeit zum großen Teil in andere Hände über: in diejenigen Hart-manns in Riga , der jetzt, nachdem Hartknoch als reiner Verleger nachDresden gegangen war, dort der namhafteste Buchhändler wurde, einigeJahre darauf in seinen russischen Handelsbeziehungen noch übertroffendurch Dcubner in Riga . Hartmann aber war schon zu Michaelis 1807insolvent, schuldete bald mehreren deutschen Buchhändlern zusammen30000 Thalcr und ließ sich Jahr ein, Jahr aus auf der Messe nichtblicken.

Das Jahr 1807, das dic tiefste Erniedrigung Preußens brachte,hatte eine ähnliche Bedeutung auch in der Geschichte des Buchhandels.Die Mcßrelation von Ostern 1807 liest sich wie eine Grabrede.Gegen-