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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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I.Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

wcirtigc in jedem Betracht ungünstige Messe scheint dem Buchhandel,oder vielmehr der Büchcrkrämcrcy den letzten Schlag versetzen zu wollen",heißt es darin, und die Relation weiß dem in den letzten Zügen liegendenBuchhandel als Trost nur die Hoffnung in das bessere Jenseits mitzu-geben,daß einst auf den Trümmern des zeitherigcn, einer gänzlichenAuflösung nahe scheinenden Bücherkrams ein solider Buchhandel sich er-heben mochte". Im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen wurdezurAushclfung des gesamten Buchhandels" die Einführung des Abzahlungs-geschäfts vorgeschlagen: die Buchhändler sollten einzeln oder in Ver-bänden teurere Werke gegen einen für den Abnehmer nnd seine Erbengültigen Kontrakt auf jährliche Abzahlung von fünf oder mehr Prozentverkaufen.

Die Ostermesse 1808 bildete einen gewissen Lichtpunkt. Wohl wardie Zahl der Remittenden erschreckend hoch, die der Ncuvcrschrcibungeuerschreckend niedrig; aber um ihren Kredit nicht ganz aufs Spiel zusetzen, fanden sich doch zahlreiche Handlungen wieder ein und bezahltenTeile ihrer Schuld; drei Fünftel des Gesamtbetrags der Schulden wurdenabgezahlt. Freilich, man war bescheiden geworden; jetzt ließ sich jederden Louisdor gern zu 6 Thalern, den Dukaten zu 3 Thalcrn 12 Groschenanrechnen. Die Meßkataloge spiegeln die Steigung genau wider; dieZahl der.Erscheinungen hob sich von 3057 im Jahre 1807 auf 3733im Jahre 1808.

Aber die Besserung war nicht nachhaltig. Schon zu Michaelis'1808 zeigte es sich, daß die Zahlungsstockung anhielt. Im Jahre 1809fiel die Zahl der in den Mcßkatalogen verzeichneten Neuerscheinungennoch etwas unter das Niveau des Jahres 1807, auf die Zahl 3045.Buchhändler, selbst Sortimcnter, die sich bisher stets pünktlich eingestellthatten, und Zahlungen blieben aus. Die Überträge wurden fast nichtgezahlt. Ein fast gänzlicher Mangel an baren Zahlungsmitteln tratein. Die Stockung im Vertrieb nahm zu. Auch von den angekündigtenwirklich neuen Werken war wenig zu haben die Verleger gedachtensie meist erst zu drucken, wenn sie genügende Bestellungen gesammelthätten.

Mit dem Friedcnöjahre 1810 schien auch für den Buchhandel eineZeit der Erholung anbrechen zu sollen. Die Hinrichsschcn Verzeichnisseenthielten 3864 Artikel, die höchste Zahl seit der Depression, die mit