Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 
  

U!

1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

gehoben. Ebenso in Württemberg ; selbst derSchwäbische Merkur", indem die deutsche Gesinnung noch am längsten Stand gehalten hatte, segeltezur Rheinbuudszeit vollständig im Napoleonischen Fahrwasser, und auchdieLeipziger Zeitung" erhielt vou der sächsischen Regierung, wahr-scheinlich im Einverständnis mit der französischen, der Zeit angemesseneVorschriften und durftenamentlich alle und jede Nachrichten von den.für Frankreich nachtheiligcn oder unangenehmen Ereignissen . . . nichteher und nicht anders . . . aufnehmen, als wenn und wie sie in demNonitkni- nnivsrsel bekannt gemacht" waren, wobei die Artikel voll-ständig und ohne Zusätze übertragen werden mußten. Aber war dasalles ein Wunder in einem Alter beständiger Kriege, der Umwälzungenaller bestehenden Verhältnisse dem Geiste der Bevormundung gegen-über, den der deutsche Bürgersmann gerade auf diesem Gebiete seitlange her mitten im faulen und ungestörten Frieden des altenReiches umgehen zu sehen gewohnt war?! In der Welt der Jour-nale aber und vollends der Bücher, wie weit war das freie Wort davonentfernt, in dem Grade gefesselt zu sein, wie so mancher zitternde Buch-händler und Schriftsteller auch damals fürchtete. Entfernte man sich in derForm nicht von gewissen Klughcitsrcgeln, so konnte man selbst in Frank-reich, wie viel mehr in Deutschland beinahe alles schreiben, was zuschreiben nötig war. Die Erhebung in das ideale Reich unserer damalsneugeborenen klassischen Littcrntur und die Lektüre freier politischerSchriften: dies beides gibt der amtliche sächsische Bericht von der Ostcr-messe 1807 selbst als den Hauptinhalt der damaligen Lektüre und dienie versagenden Absatzgebiete des Buchhandels an. Eotta brachtedamals 165 Eentner Vcrlagsartikel nach Leipzig , meist Goethe, Schillerund Herder, die beständig abgesetzt wurden, und neben ihnen wurden vorallemfrcimüthigc politische Broschüren" gehandelt. Mehrere Firmen,so die von Friedr. Aug. Gottlob Schumann, dem Vater RobertSchumanns, in Zwickau begründete, die sich mit außerordentlichem Er-folge auf dem nun schon einer neuen Zeit angehörenden Verlage vonTaschenausgaben der Klassiker aller Völker aufbauten, haben in jenenJahren ihre Wurzeln. Wie das, was in der Litteratur Aufwandforderte, also zunächst der Verlags- und dann auch der Sortiments-handcl, bestehen könne, das erschien manchem nicht abzusehen. Aber washatte andrerseits die Nation, woran sie sich erfreuen konnte, als ihre