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I.Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.
aus gehandhabt, wenn nicht von allen Provinzen ans, gleichförmigwieder nach einem Punct gestrebt würde. Deutschland hat leinen Mittcl-pnnct, keine Hauptstadt, keinen allgemeinen Beschützer für Wissenschaft,Kunst und Littcratur. Die Gesammtheit muß dies ersetzen, — derBuchhandel ist das Mittel der Einheit .... Es scheint, daß der Kayserl.Französischen Behörde der Umstand nicht entgangen sey, daß LeipzigsBuchhandel nicht bloS Sachsen, sondern ganz Deutschland angehöre."Mit vorsichtigen Worten preist, die Eingabe die sächsische Liberalität,die den Leipziger Messen die möglichste Freiheit gestattet, die Ecnsurwohlthätig und gleichmäßig gchandhabt, die Auswärtigen zur Dankbarkeitund Anerkennung verpflichtet und damit einen Schriften- und Ideen-austausch für alle Völker deutscher Zunge herangezogen habe: „ein In-stitut, wovou sich das Ausland, wo Eine Hauptstadt auch allein dasReich der Ideen, und des Vehikels derselben, der Bücher, monopolisirt,da hingegen hier auch der Buchhandel das Siegel des germanischen Völker-bundes trug, kaum eine Vorstellung zu machen weiß". Aber — andereZeiten, andere Maßregeln. „Wieviel muß der freie Bürger sich ver-sagen, wenn die Stadt, die er bewohnt, in BelagcrungSstand erklärt wird.Und doch ehrt er die Anstalt, die vielleicht seinen leztcn Keller undSpeicher vor feindlicher Plündcrnng sichert." Was Buchhandel uudLittcratur sich versagen sollte, war die deutsche Mcßfrcihcit uud die An-stalt, die den deutschen Buchhandel vor der Auflösung seiner Einheit uuddie deutsche Nation vor dein „Schritt rückwärts zur Barbarcy" rettensollte, eine der Organisation des deutschen Buchhandels angepaßte Nach-bildung des französische» Systems der „möglichsten Einheit zur schnellen'Übersicht". Jeder Auswärtige liefert der Büchcrkommission bei seinerAnkunft ein schriftliches Verzeichnis der Artikel, die er in der bevor-stehenden Messe debitieren will, und das vor allen Dingen für jedenArtikel Druckort, Drucker und die Angabc enthält, ob und wo er cen-sicrt ist. Vor der Abreise wird ihm sein Verzeichnis wieder vor-gelegt, und er hat die während der Messe vorgefallenen Veränderungenanzuzeigen. Die Büchcrkommission hat ihn über altes mögliche auszu-fragen: wer sein Kommissionär sci, ob und wo er ein Bücherlagcr inLeipzig halte, ob er die Verpflichtungen der Leipziger Kommissionärekenne u. s. w. Der Kommissionär, der die Geschäfte eines auswärtigenBuchhändlers während der Messe ganz besorgt, hat über ihn auch die