Zeituugsccnsur. Mcßhandel.
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redigiert wurde. Von einer Entschädigung war keine Rede. Bestehenblieb allein die „Karlsruher Zeitung", vom 1. Januar 1811 ab unterdem Titel „Großhcrzoglich Badische Staatszeitung" unter der bcsondernAufsicht des Ministers des Auswärtigen. Die Bezirks- und Wochen-blätter, die bisher neben den privaten und amtlichen Inseraten bis-weilen spärliche politische Notizen gebracht hatten, durften künftig „keineandern als das Inland betreffende, und zwar nur in wörtlichen Auszügenaus der Landeszcitung geschöpfte" politischen Nachrichten aufnehmen.Die Zeitungslitteratur der kleinern Länder des Rheinbunds war zuunbedeutend, als daß sie eine besondere Sorgfalt der Beaufsichtigungerfordert hätte. Wo die Presse nur einigermaßen bedeutender war,wurde alsbald für die nötige Einschnürung gesorgt. Der gewaltsamsteEingriff traf eine Zeitung, die, gerade im Mittelpunkte des Rheinbunds-gebietes erscheinend und schon seinem Titel nach Gedanken an vergangeneund noch bessere kommende Tage wachrufend, einem letzten National-heiligthum glich, in dem aus deutsch -Napoleonischcm Boden noch dasFeuer deutschen Nationalbewußtseins gehütet wurde, die „National-Zcitungder Deutschen" in Gotha und ihren Begründer Reinhold ZachariasBecker. Auch auf ihr lag der schwere Druck der Zeit; auch die „National-Zcitung der Deutschen" wünschte am Neujahrsrage dem Kaiser und seinemtapsern Heere Heil und Segen und Preußen einen „Trunk aus LethesQuelle". Becker hatte unter solchen Umständen die Redaktion auf-gegeben, lieferte der Zeitung aber noch ab und zu Artikel. Als sieeinen Aufsatz von ihm mit der Überschrift: „Der Deutsche Bund, einegeheime Gesellschaft" gebracht hatte, in dem Becker seine Gedanken überdie derzeitigen Aufgaben des vaterländischen Gemeingeistes entwickelte,wurde die Zeitung unterdrückt und Becker am 20. Novembce 1811 aufBefehl Davousts ohne Vorwissen des Landcsfürsten durch französischesMilitär aufgehoben und in Magdeburg interniert. „Ein souveräner Fürstdes Rheinbundes, der in seinem Lande eine Nationalzeitung der Deutschenherausgeben läßt, hat sich über nichts zu beschweren. Der Kaiser erkenntSachsen, Bayern , Württemberger an, aber keine Deutschen." Erst am25. April 1813 schenkte Napoleon selbst ihm die Freiheit wieder.
Die Zahl der Meßbesucher war verhältnismäßig groß genug; siebetrug 289 im Jahre 1811, 278 im Jahre 1812. Was aber Absatz,Zahlung, Bestellung, Unternehmung betraf, so wurde die Ostermesse