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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

1811 mit der von 1807 auf gleiche Stufe gestellt, und nach Michaelis

1812 verkündete die Meßrelation:Der Handel mit Büchern rückt seinemUntergange näher."

Da war es noch zu Ende desselben Jahres der deutsche Buch-händler, der der deutschen Welt die Binde von den Augen riß und ihrdie Schrecken von Rußland enthüllte. Bernhard Friedrich Voigt inSondershausen , der, als alle Welt noch an die vermeintlichen SiegeNapoleons glaubte, in den Besitz einer authentischen Schilderung desÜbergangs über die Bcrcsina gelangt war, streute sie nebst russischenProklamationen und andern Belegen in vielen Tausenden von Exem-plaren nach allen Richtungen der Windrose. Er erlebte das Jahr daraufdie besondere Gcnugthuung, daß ihm der russische General Fürst Tschcr-nyschcw den Dank für so trefflicheVorarbeit" aussprach.

Wie rasch erfüllte sich nun das Geschick desNachdrucks derRevolution"!

Ende Januar 1813 wurde bei Georg Decker in Berlin hinter ver-schlossenen Thürcn König Friedrich Wilhelms Aufruf zur freiwilligenBewaffnung gedruckt, der unterm 3. Februar 1813 von Breslau auserlassen wurde. Ein Geselle Namens Schulze besorgte den Satz; erselbst hat alsbald Winkelhaken und Preßbengel mit Büchse und Schwertvertauscht und stieg bis zum Oberstleutnant empor." Im Hause derKornschen Buchhandlung in Breslau empfing der König am 18. Mürzdie ersten Freiwilligen. Am 20. März erschienen in Korns SchlesischcrZeitung derAufruf an mein Volk", die ProklamationAn mein Kriegs-heer" und die Urkunde der Stiftung des Eisernen Kreuzes . Es istwahr, unter den Druckergesellen war das Bemühen, sich der Teilnahmean dem großen Kampfe zu entziehen, weit verbreitet: ganze Pakete dies-bezüglicher Papiere liegen wenigstens aus Leipzig vor, übrigens auch vonBuchhandelsdienern; und auch mancher Buchhändler setzte Himmel undHölle in Bewegung, um seine Söhne vor den Feuern des heiligenKrieges zu bewahren. Aber neben den Zagen stehen die Helden. GeorgAndreas Reimer , ein Mann damals im 37. Lebensjahre, Leiter eineshochbedeutendcn Geschäfts, in glücklicher Ehe lebend und Vater vonsechs Kindern, zog als Landwehrmann ins Feld. Göschen sah drei seinerSöhne ins Feld rücken; zwei wurden bei Kitzen an Theodor KörnersSeite verwundet; auch Eduard Anton, der Sohn und Nachfolger des