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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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I.Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

Meßkatalog verzeichneten Schriften waren die meisten nicht fertig, undwas fertig war, wurde von den Verlegern aus Besorgnis vor dem Nach-druck, der jetzt bei der großen Erschwerung des Verkehrs aus und nachNorddeutschland doppelt gefährlich war, auf Lager gehalten.

Am 2. Mai wurde die Schlacht bei Großgörschen geschlagen. Am5. Mai mußten in Leipzig alle gegenSc. Majestät den Kayser vonFrankreich und König von Italien und seine Alliirten, so wie widerderen System" gerichteten Verlags- und Sortimentsartikel abgeliefertwerden; dreizehn Buchhandlungen lieferten je ein Paket, eine liefertezwei Pakete, eine ein Exemplar und eine lieferte eine Proklamation ab.

Schwere Monate noch, die des Jahres 1813.Erst gegen Endedes verflossenen Jahres erhielt ich nicht nur Fortsetzungen und I^ovs,von der Jubilate-Messe, sondern auch Bestellungen, die zum Teileben so alt waren, und von denen nicht alle mehr Käufer fanden.Einen neuen Bücher-Catalog habe ich unter sobewandten Umständen imvorigen Jahre weder nach der Iubilate- noch nach der Michaelis-Messedrucken können" (Circular von Darnmann in Züllichau , April 1814).

Der Buchhandel aber wartete die Stunde der Befreiung nicht ab.Der von vaterländischer Begeisterung getragenePreußische Corrcspondent",der vom 2. April 1813 ab im Verlage der Realschulbuchhandlung inBerlin, d. h. bei Georg Andreas Reimer erschien, war allerdings vonScharnhorst angeregt und wurde von Nicbuhr geleitet; aber gerade dort,wo endlich die Heere der Völker von allen Seiten sich zusammenzogenzum letzten Entscheidungskampf, schuf der deutsche Buchhändler selbst nochmitten in der Zeit des unentschiedenen Ringens als sein eigenstes Werkdas erste der eigentlichen Freiheitsblättcr: Friedrich Arnold Brockhaus ,ein Mann von seltener, wie aus tiefem und unerschöpflichem Urbornquellender Ursprünglichkeit und Selbständigkeit des Gestalteus der Ge-danken und der Dinge und im besondern von seltener buchhündlerischerSchöpfer- und Direktionskraft, der inzwischen in den Jahren 18091811die beiden letzten Bände des Francke-Leupoldschen Konversationslexikons be-endet und im Jahre 1812 persönlich die Bearbeitung der ganz umgeändertenzweiten, der ersten eigentlich Brockhausschen Auflage begonnen hatte; vom14. Oktober 1813 ab erschienen, zuerst in Altenburg , dann vom 21. Ok-tober ab in Leipzig , seineDeutschen Blätter", die zunächst auf GrundeinesBefehls", den sich Brockhaus in persönlichen Audienzen beim Kaiser