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Wer die Geschichte der Fremdherrschaft in der Lebensgcschichtc eineseinzelnen deutschen Buchhändlers verkörpern wollte, könnte kaum einenwürdigern und geeignetern dazu auswählen als den, der im Februar1814 solche Sätze schriebt Friedrich Perthes , den deutschen Buchhändler,der einer der deutschen Bolksmcinncr und dessen Lebensbeschreibung eindeutsches Volksbuch geworden ist. Ein schlichter Mann, ursprünglich alsreiner Sortimcnter einem Stande angehörig, der bis dahin als „Bücher-krämerei" geringgeachtet war, und dem er, der sich mit Stolz den „erstenreinen Sortimenter" genannt hat, zuerst in seinem Wirkungskreise ge-sellschaftliche Hochachtung errungen hat. Ein Mann, ungelchrt, abervon einer tiefen Güte, Reinheit und Weisheit des Herzens. DenSchlägen der Zeit aufs ärgste ausgesetzt und aufs ärgste von ihnen be-troffen, gehörte gerade er zu denen, in denen deutscher Mut und deutscheThattraft den Sieg behielten. Ein Verleger von Gottes Gnaden. EinMann, der bei aller zartsinnigen und idealistischen Richtung seinesGeistes weit von aller Schwärmerei entfernt und durch eine unvergleich-liche Ruhe, Besonnenheit und Klarheit des Geistes ausgezeichnet war.Das Wort galt von ihm: „Seid klug wie die Schlangen und ohneFalsch wie die Tauben". Statt zu klagen, hat er sonder Aufsehen wiekein zweiter die Schwächen des französischen Mauth - und Censursystemsausgenutzt, am Centralpunkte des deutscheu Buchhandels aber aus demzu Frankreich geschlagenen Deutschland heraus die gesetzgeberischen Maß-regeln bewirkt, die er für nützlich hielt. Damals wurde mancher irrean ihm und beschuldigte ihn der Selbstsucht und Feigheit. Aber alsdie Stunde des Handelns gekommen war, setzte er Haus und Geschäft,bürgerliche Existenz und Leben aufs Spiel, der deutsche Buchhändlerals Führer der Bürgerschaft einer freien Stadt im Kampfe um deutscheFreiheit. Im Mai 1814 kehrte er nach einem Jahr der Not und derVerfolgung nach Hamburg zurück, iu geprüfter Treue fürs Vaterland,sehnsuchtsvoll den heimatlichen Herd suchend, der ihm zerstört worden war— das Bild des deutschen Buchhandels an der Schwelle der neuen Zeit,die, wie für alle Zweige des bürgerlichen Lebens, so auch für diesen mitdem Sturze der Fremdherrschaft angebrochen war.
Man sagt zuweilen, die Nachwehen des Napoleonischen Zeitaltersseien in Deutschland ein Menschenalter lang spürbar gewesen. In derGeschichte des Buchhandels ist dies jedenfalls nicht der Fall. Mit der