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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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54 2. Kapitel: Dcr Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz uud Preßfreiheit.

Depression nach 1648 ist die Zeit nach 1813 natürlich nicht vergleich-bar. Das liegt aber nicht nur in der Verschiedenheit dcr Dauer, derAusbreitung und der Schrecken beider Kriege, sondern daran, daßdas 17. Jahrhundert ein Zeitalter nur allgemeinen Wachsthums, nichtneuer Errungenschaften war, jetzt aber vor dem Zeitalter des Kriegesneue Keime und Triebkräfte wissenschaftlich, litterarisch, künstlerisch,technisch, politisch, rechtlich in den Gang unserer Geschichte eingesenktworden waren, die nur der Aufhebung alter und neuer Hemmungenharrten, um sofort in dichten und kräftigen uud immer dichtcrn undkräftigem Halmen in raschem und starkem Wachsthum der Reife zu-zuwachsen. Wir nannten Perthes das Bild des deutschen Buchhandels,sosern dieser aus tiefgebeugter Lage sich aufzurichten hatte. Nun, diePerthessche Handlung, obgleich sie sich im Jahre 1814 in einer Lagebefand, daß die Geschäftsfreunde jeden Akkord anzunehmen bereit waren,hatte Perthes nahm das Anerbieten nicht an, sondern machte sichverbindlich, innerhalb dreier Jahre alle Schulden abzutragen schonnach zwei Jahren alle ihre Verpflichtungen erfüllte. In der That:ähnlich rasch und kräftig gewann auch der deutsche Büchcrverkehr über-haupt wieder erhöhtes Leben. Schon auf der Ostermesse 1814 zeigtesich, daß dcr Bücherverlehr in Deutschland wie die Meßrclation sichausdrückt:wieder einigermaßen begann". Die Michaelismessc brachteeine weitere Besserung der Aussichten. Erfolgte sie auch nurin lang-samer Art, und nicht durchgehcnds, sondern nur in einzelner Hinsicht":in den folgenden Monaten nahmen Zahl und Umfang der Bestellungenaus allen Teilen Deutschlands in der auffälligsten Weise zu. Nochschienen freilich die Aussichten in der Zukunft ungewiß, und man wolltesolches Mißtrauen in der Stärke der Remissionen, dem Zurückbleibenfälliger Zahlungen zu Ostern 1815 recht deutlich erkennen; aber nunfolgte der letzte entscheidende Schlag von Waterloo, die alte BaumannscheStadtbuchdruckcrei in Breslau (Graß, Barth ^ Komp.) konnte sich an-schicken, ihr Prachtwerk des?aeis anrus 1814 et 1815 koeäsratisarruis rsstilntae lllonurusiituiu" in 42 Sprachen herzustellen, undschon zu Michaelis 1815 zeigten sich die günstigen Folgen zurückkehrendenVertrauens in der Dauer dcr neuen Zustände. Dieser Rhythmus zeigtsich deutlich in der Geschichte einzelner Firmen. Mit dem Jahre 1814kamen die sechs Pressen der Hallischen Bibelanstalt wieder in Gang;