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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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56 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Preßfreihcit,

ferne, aber eben damals sich vernehmbar ankündigende neue und größereZukunft des Buchgewerbes. Im Jahre 1816 wurde die erste Papier-maschine in Deutschland eingeführt; um dieselbe Zeit kam die im Jahre1815 in England erfundene Auftragwalze zu uns herüber; im Jahre1819 wurden die Hohlstcge erfunden (statt der frühern Holzstege). Diewichtigsten Neuerungen aber waren die umfassende Anwendung der Stereo-typie, die Einführung der Steindruckerei und die Erfindung der Stan-hope- und vor allem der Schnellpresse. Im November 1816 verkaufteJames Watt das Geheimnis seines neuen Verfahrens, das darin bestand,daß der Schriftsatz in einer Gypsmassc abgedrückt und in die so entstehendeForm eine andere geschmolzene Mctallmischung gegossen wurde, für 200Fricdrichsdor an Decker in Berlin , der am 18. November 1816 die ersteKolnmne nach dem neuen System in Deutschland goß, im Dezember des-selben Jahres an Tauchnitz in Leipzig, Brönncr in Frankfurt a. M.,Meißner in Hamburg . Tauchuitz gab das erste große Beispiel der außer-ordentlichen Bedeutung der Stereotypie für eine geschäftliche Anlage, dieDruckerei, Buchhandlung und Schriftgießerei vereinigte: die Stereotypiewar es, die ihn sein Ziel der Herausgabe der griechischen und lateinischenKlassiker in guter Ausstattung, größter Korrektheit und billigsten Preisenso vollkommen erreichen ließ. Er verwandte sie außerdem zu mehrerenBibclausgabcn uud hat auch die ersten musikalischen Stcreotypausgabcnvcrcmstaltet (Klavicrauszügc vonDon Juan" undTcmcrcd"). IhrErfolg war ein ganz außerordentlicher; die Ausgaben der HalleschcnWaiscnhauSbuchhandlung z. B., die damals besonders auf den Schul-bücher- und Klassitervcrlag aufgebaut war, wurden zu Beginn der 1820erJahre durch die Tauchnitzschcn StereotypanSgabcn fast mit einem Schlageverdrängt.^ Die Herstellung der Bibel kostete in 5000 Exemplaren zu90 Bogen Großoktav im Jahre 1825 bei Decker 6000 Rthlr. (3000Rhtlr. Material und Arbeitslohn, 3000 Nthlr. Papierkosten). InMünchen hatte im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts die Stein-druckcrci festen Fuß gefaßt. Im Jahre 1810 führte sie Georg Deckerin der Berliner Hofbuchdruckerci eiu. Er bezog (Februar 1810) vonder Kgl. Bayr. priv. Steindruckercy von Al. Senefelder, Fr. Gleißncru. Comp.: eine lithographische Stangcupresse zu 88 fl., drei Steinplattenzu je 2 fl. 30 kr. und zwei kleinere zu je 1 fl.; dazu kamen 150 fl. fürMittheilung der lithographischen Kunstgchcimnissc und Abtretung eines