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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Stereotypie, Lithographie, Schnellpresse.

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vollkommen abgerichteten Gesellens".^ Am 12. April 1817 traf beiGeorg Decker in Berlin die erste Stanhopeprcsse ein. Von Charles Grafvon Stanhope (17531816) erfunden, bestand sie, die Haassche Pressebedeutend vervollkommnend, ganz aus Eisen und war (statt der bisherigenSchwärzballen) mit einem neuen Apparat zum Verreiben und Auftragender Druckfarbe versehen, der die Arbeit beschleunigte und den Druck ver-schönerte; einer ihrer Hauptvorzüge war aber der, daß der Spindelgangins Kopfstück des eisernen Ständers eingeschnitten war und die Spindelsich darin auf die volle Länge ihres Schraubenganges auf- und abwärtsbewegte; dadurch gewann die Presse bedeutend an Präzision und Kraft.Der Preis betrug damals (ohne Transportkosten) 106 -L. Die aller-wichtigste der Erfindungen aber, die die Buchdruckcrkunst der Neuzeit aufeine ganz andere Höhe erheben sollte, als sie sie vordem eingenommen hatte,war die Erfindung der Schnellpresse: die erste Erfindung seit den TagenGutenbergs , die der Gutenbergschen Erfindung an die Seite gestellt werdenkann. Friedrich König, ein bei Breitkopf in Leipzig ausgebildeter Buch-drucker, geboren 1775 in Eisleben , gestorben 1833 in Oberzell, warihr Erfinder. Der ursprüngliche Gedanke bestand nur darin, das Auf-tragen der Schwärze durch einen mechanischen Apparat verrichten zulassen, der mit dem Karren verbunden sein und durch ihn auch zugleichbewegt werden sollte, sodaß von den beiden an einer Presse beschäftigtenDruckern einer erspart würde. Dann aber vergrößerte und vertieftesich sein Plan; drei englische Buchdrucker leisteten ihm die nötigefinanzielle Unterstützung, und am 23. März 1810 konnte er sich aufseine neue Maschincnpresse das erste Patent erteilen lassen. Im April1811 wurde der erste Maschinendruck der Welt hergestellt, der Bogen Hdes Journals ,Annug.1 lisAiswi'" für 1810. Noch war der Bau derMaschine zu künstlich, und erst jetzt konstruierte sie König mit Hilfedes Mechanikers Andreas Friedrich Bauer so, daß der Druck durch einWalzcnwerk bewirkt wurde. Die neue Erfindung wurde am 30. Oktober1812, die weiter verbesserte am 23. Juli 1813 patentiert. Hatte diealte Handpresse in der Stunde als Höchstleistung 300 Drucke geliefert,die neue Dampf-Walzeupresse lieferte in der Stunde deren 800. ImJahre 1814 wurden schon zwei Londoner Zeitungen mit der neuenPresse gedruckt: die Times (erste Maschincnnummer vom 29. November1814) und die Mail. Zur Bedienung der Presse waren nun, wie König