58 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Preßfrciheit.
an Decker schrieb, bloß noch zwei „möglichst arme Gassenjungens" (zumAnlegen und Abnehmen), denen man nur ein paar Groschen mehr zugeben brauchte als sie bei einer beliebigen andern Dienstleistung be-kommen hätten, ein Lehrjungc als „Beschauer" und ein allgemeinerAufseher nötig, der aber kein gelernter Buchdrucker zu sein brauchte.Die Speucrsche Zeitung vom 20. Decembcr 1814 (Nr. 152) brachtedie erste Notiz über die Königsche Erfindung (worin die Zahl der Ab-drücke pro Stunde — mit drei Ausrusungszeichen — auf 1100 an-gegeben wird). Im Jahre 1817 begründete König mit Bauer dieMaschinenfabrik König <K Bauer im Kloster Oberzell bei Würzburg .Im Jahre 1822 waren die ersten Maschincnprcsscu in Deutschland vollendet, und am 25. Januar 1823 wurden sie bei Spencr (Haude undSpenersche Zeitung), im Februar 1823 in der Deckerschen Hofbuch-druckerei in Betrieb gesetzt; die beiden eoinxlst.ing nmeuinss kosteten7000 Rthlr., als Erfindungsprämic wurden ein für allemal 8000Rthlr. gezahlt; die Transportkosten betrugen 764 Rthlr. 10 gr. EineMaschine lieferte stündlich auf beiden Seiten je 1100, also zusammen2200 Abdrücke, während die einfache 900 und 1800 lieferte; allerdingswar das Format bei der erstern ein kleineres (Royal) als bei derletztem (Doppelmedian): die erhöhte Abdruckzahl wurde nicht nur durcheine Höhcrc absolute Geschwindigkeit der Maschine, sondern dadurch be-wirkt, daß bei dem kleiner» Format der Weg des Karrens ein kürzererwar.5 Im Jahre 1824 folgte Cotta und führte die Dampfschncllpressefür den Druck der „Allgemeinen Zeitung" ein, im Jahre 1825 gingder „Hainburgische Korrespondent" zu der neuen Vervielfältigungsweiseüber. Für den Zeitungsdruck und umfängliche Massenartikel mußtedie neue Erfindung in erster Linie in Betracht kommen. In der Brock-hausschen Officin in Leipzig arbeiteten im November 1818 schon fast einJahr lang 25 Handpressen an einer neuen Auflage des „Convcrsations-Lcxikons" in 12000 Exemplaren Auflagehöhe nnd hatten doch erst dieHälfte der Auflage (5 Bünde ) bewältigt, und auf die zweite Hälftemußte uoch mehr als ein halbes Jahr gerechnet werden. Die Lang-samkeit der Förderung bei so großen Auflagen war aber noch nicht einmaldas schlimmste; die „Hauptinconvenienz" bestand nach Brockhaus selbstdarin, daß die Leute bei der Einförmigkeit der Arbeit ermüdeten und be-sonders zuletzt gewöhnlich nur noch schlechte Arbeit lieferten. König ver-