Schnellpresse. Proklamation von Knlisch.
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cmschlagtc den dazu nötigen Druckerlohn auf 20000 fl. jährlich, dieLeistung von 25 Handpressen aber gleich der von drei, allenfalls sogar nurzwei Maschinen (in einem spätcrn Briefe vom Juni 1819 rechnete er eineMaschine gleich acht Handpressen); eine Maschine aber kostete 15000 fl.und ihre Beschäftigung 800 fl. Druckerlohn.« Im Jahre 1826 stelltedie Brockhaussche Druckerei ihre erste Schnellpresse auf, gleichzeitig mitMctzlcr in Stuttgart, Wenner in Frankfurt a. M., der Vossischcn Zeitungin Berlin, der Münchcncr Schulbuchhandlung und Hayn in Berlin .
Die Maschincnpressc ist das Sinnbild des Buchgewerbes der Jahr-zehnte, denen unsere Erzählung entgegengeht, ebenso, wie die Handpressedasjenige der Jahrhunderte war, von deren Bericht sie herkommt. DerFortschritt im Zeitalter der Hand ist der der arithmetischen, der Fort-schritt im Zeitalter der Maschine der der geometrischen Progression.Sie beschleunigt die Produktion, vervielfacht die Produktion, entbindet neueKräfte, thürmt neue Bedürfnisse und Aufgaben aus. In scheinbar ge-heimnisvollem und doch natürlichem und nothwendigcm Zusammenhangerüstet der Geist der Geschichte die Volker zur rechten Zeit mit denrechten Werkzeugen aus: geheimnisvoll für den, der die einzelnen Gebietevereinzelt ins Auge faßt, natürlich und notwendig dem, der sie aus einemgemeinsamen Wurzelstock hervortrcibcn sieht. Die Zeit aber, in der dieneuen Triebe emporschießen und zur Blüte kommen sollten, war nochscrn. Es waren Anfänge. Erste Sprossen, die sich über der Ober-fläche zeigten. Es war, als wollte der Genius der Geschichte nur schonimmer beginnen, mit umsichtiger Hand die Werkzeuge in der Stillebereitzustellen, damit sie fertig und bereit seien, wenn die Arbeit, dieer zunächst zu leisten hatte, beendet wäre: freie Bahn zu schaffe» fürein neues, höchst gesteigertes Treiben. Und mit dieser Arbeit: freieBahn zu schaffen dem erhöhten und erweiterten Schritte der neuen Zeit,sehen wir im Dienste der Geschichte den deutschen Buchhandel nach demSturze der Fremdherrschaft beschäftigt.
Die Proklamation von Kalisch (25. März 1813) verhieß die Rück-kehr der Freiheit und Unabhängigkeit, die Wiedergeburt des ehrwürdigenReiches aus dem ureignen Geiste des deutschen Volks, verjüngter, lebens-kräftiger und in Einheit gehalten. Und selbst Franz I. gelobte, alles zuversuchen, um die Geister zu erheben.