60 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Preßfreiheit.
Dic niedergetretenen Halme des Zeitungsfcldes begannen rasch sichaufzurichten. In Frankfurt verkündigte schon im Jahre 1813 dasGeneralgouvernement die Erlaubnis zum Wiedercrschcinen der altenZeitungen, und da tauchten sie nun alle wieder aus ihrer Versenkungauf, dic alten rcichsstädtischcn Blätter; in Hamburg , das eiust fünfzehnZeitungen und Zeitschriften gehabt hatte, gab es keine einzige mehr, undjetzt entstanden sofort wieder deren vier, darunter vor allem der alte„Corrcspondent". Und wie schoß in frischen Strahlen Lust und Sehnender deutschen Geister und Herzen empor aus den heißen und kräftigenQuellen der „Deutschen Blätter", denen Brockhaus das Programm derBeförderung der Wiederherstellung und Befestigung der Freiheit, Unab-hängigkeit, Selbständigkeit und Wohlfahrt des gemeinsamen Vaterlandesgab, der „Nemesis" von Luden und des „Rheinischen Merkur" vonGörres, dic beide sofort mit Beginn des Jahres 1814 zu erscheinenbegannen!
Die Aussichten, die sich in der Richtung einer einheitlichen Ge-staltung des Verkehrslebcns eröffneten, der Gleichheit von Münze, Maßund Gewicht, der Aufhebung der Mauthcu und Zölle, der Freiheit undSicherheit des Handels gegen das Ausland, teilte der deutsche Buch-handel mit den übrigen Zweigen des deutschen Handels.
Aber der Buchhandel hatte zugleich und vor allem seine ihm cigcn-tümlichcu Ziele und Aufgaben.
Verhieß der Same, den das 18. Jahrhundert ausgestreut hatte,reiche Ernte, reichte der Geist der Erfindung vervollkommnete Gerätesie zu bergen und zu verarbeite:?: als Thorhüter und Bahnbrecher anseinem Teile der edelsten Interessen, Forderungen, Aufgaben der Natioumußte der Buchhandel jetzt, wo alles ncner, erweiterter, vereinheitlichterund befreiter Gestaltung zudrängtc, freien Spielraum aus Erden undeinen unbewölkten Himmel über sich auch für das ihm cigcutümlicheGebiet verlangen; ein deutsches Gesetz zum Schutze des Verlagsrechtsund Freiheit der deutschen Presse.
Mit der Forderung der Preßfreiheit war der Buchhandel gewiß,sich zum Sprecher einer Sache zu machen, dic überall unmittelbar alseine Ehrensache der Nation empfunden wurde. Die Censur, ausgeübtvon offenen und geheimen Räten und Beamten der Verwaltung, derKirche, der Universität: wie sollte sie nach den geheimen Regungen von