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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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62 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Prcßfrciheit,

schritt gemacht; man müßte denn die Großherzogl. badische Verordnungvom 8. September 1806 hierher rechnen, von der Schriften (soweit sienicht anonym waren) inländischer Autoren bis zum Ablauf des erstenJahres nach dem Tode des Autors geschützt wurden uud derselbe Schutzausländischen Autoren gewährt wurde, wenn ihre Werke entweder mitdem Privileg ihres Landes versehen waren, oder wenn sie die Gegen-seitigkeit nachweisen konnten.

Perthes sagte im Jahre 1816, Livland und Curland, Elsaß , dieSchweiz Hütten sich dem besonders gegen die beiden alten sächsischenKreise gerichteten Nachdruck seit dein Erblühen der neuern deutschenLitteratur nicht angeschlossen, weil sie auf eigenem Stamme nutzbareFrüchte gezogen hätten: so Harttnoch in Riga die Schriften von Kant,Herder, Klinger u. a., das Elsaß tüchtige philosophische Werke, wie z. B.die von Brunk, die Schweiz Schriften von Bodmer, Haller, Gesner,Hirzel, Jselin, Sulzcr, Lavater , I. G. Müller u. a. Hatten sich Ver-änderungen in dieser Richtung nicht auch in der VerlagsproduktionSüddcutschlands und Österreichs vollzogen? Württemberg besaß seinenCotta, der wahrlich genug Geld ins Land brachte; und von der öster-reichischen Litteratur konnte Perthes im Jahre 1816 eine für Österreich recht schmeichelhafte und zukunftsvcrhcißende Schilderung entwerfen. Diegroße Kluft zwischen der österreichischen und der norddeutsch protestantischenLitteratur hatte sich nach ihm seit einem Jahrzehnt zu schließen begonnen.Wenn die Bilanz der Ein- und Ausfuhr nicht schon jetzt zu Gunsten dererstcrn sei, so werde sie es doch gewiß in wenigen Jahren sein. DieErzherzöge seien Beförderer vaterländischer Litteratur, unter ihrer höchst-eigenen Leitung er meint damit den Erzherzog Johann würdenprachtvolle naturhistorischc und militärische Werke ausgearbeitet uudherausgegeben, und Männer von höchstem Range träten als Schrift-steller auf. Namentlich die medizinische Litteratur sei hervorragend; in derGeschichtsschreibung und schönen Litteratur glänzten Namen wie Hormayr ,Kurz, Riedel, Alxinger , die Brüder Collin, Hammer, Pichler; deutsche Ge-lehrte und Schriftsteller ersten Ranges habe sich Österreich angeeignet: soGcntz, Friedrich Schlegel, Adam Müller, Werner. Österreich habe seine All-gemeine deutsche Litteraturzcitung, die keiner andern nachstehe. Alle Künste,die der Litteratur dienten, Kupferstechern, Landkartcnfabrikation, Musik-stich machten denen der übrigen deutschen Länder den Vorrang streitig/