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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Bergs Vortrag über den Nachdruck. Perthes' Austritt aus dem Wahlausschuß. 97

lehnte er ab, erstens, weil hier das Original durch die Kopie nicht ersetzt,zweitens, weil durchVermehrung der Gegenstände der Zweifel überdie Rechtmäßigkeit der Handlung vermehrt" werde. Trotz der innernUnrechtmäßigkeit des Nachdrucks, derzufolge allein der Richter schongegen ihn verfahren müsse, sei ein ausdrückliches Bundesgesetz erforder-lich, weil so am sichersten jeder Zweifel entfernt und der möglichenWandelbarkeit des Gerichtsgcbrauchs vorgebeugt werde; indessen ohne Er-streckung auf den Nachdruck ausländischen Verlags, weil erstens dem Aus-länder durch den deutschen Nachdruck kein Schaden zugefügt werde undzweitens fremde Staaten ebenfalls nur ihre Unterthcmen schützten; demAusländer sollte Schutz durch inländische Privilegien gewährt werden.Aus seinen Antrag wurde einAusschuß zur Erstattung eines Gutachtensüber die Abfassung gleichförmiger Verfügungen zur Sicherstellung derRechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck" ernannt,in den von Martens (Hannover ), der badischc Staatsminister Freiherrvon Berckheim (Baden) und von Berg selbst gewählt wurden.

Bertuch schmiedete das nun heißer glühende Eisen mit doppeltemEifer. Cotta begab sich (auf Bertuchs Anregung) persönlich nachFrankfurt. Kummer fragte in Frankfurt an, ob es rätlich sei, daß sicheinige erfahrene Buchhändler dorthin verfügten, um auf Erfordern dieetwa nötige Auskunft über das Praktische des buchhündlerischen Geschäfts-ganges zu erteilen daß man sich etwa in Frankfurt selbst dergleichenAuskünfte einholen könnte, wo es ja auch Buchhändler gab, mochte denLeipzigern kein freundlicher Gedanke sein.

Der Wahlausschuß hat als solcher in den beiden ersten Jahrenseines Bestehens in die Vorbereitungen und Verhandlungen am Bundes-tage nicht eingegriffen. Das führte rasch zu einer Entfremdungzwischen ihm und Perthes, der sich ohnehin nur mit halber Freude zuseinen Mitgliedern zählte. Perthes nahm seiner Natur getreu diePflicht, die er mit der Annahme der Wahl übernommen hatte, außer-ordentlich ernst, wirkte nach allen seinen Kräften und erstattete, wieer es für das Mitglied eines Kollegiums für gebührend hielt, darüberBericht. Seit Ostern 1818 aber blieb er ohne Antwort und Nachricht.Zu einer wirksamer» Thätigkeit in Frankfurt raffte sich der Wahlausschußauch nicht auf. Und so teilte Perthes unterm 21. August 1818 Brock-haus mit, er sehe sichals nicht in diesem Ausschusse existireud" an,

Geschichte des Deutschen Buchhandels. IV. 7