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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Brockhaus'Fehdebrief gegen Macklot". Beschrankte Schutzdaner. 101

ausführlich dazu; ein Exemplar ging unmittelbar an den Konig vonWürttemberg , über den und dessen Landes Gesetzgebung die Broschüre soscharfe Bemerkungen enthielt.

So hatte sich denn vor der zu erwartenden Entscheidung alles zu-sammengefunden, um diese Entscheidung zu beschleunigen und in die ge-wünschten Bahnen zu lenken, in lebhafter Aktion teils, teils der Stundedes Eingreifens harrend: die ältere deutsche Deputation und der Wahl-ausschuß, Perthes und Brockhaus.

Was hatte die Kommission zu leisten? Was der Buchhandel vonihr zu fordern und zu erwarten?

Erst in den Jahren 1816, 1817, 1818 bricht in der buchhänd-lerischcn Litteratur deutlich die Erkenntnis durch, daß der Nachdruck voneinst und der Nachdruck von jetzt nicht ein und dasselbe waren. Da-mals, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, weilten die großenAutoren, die in Österreich , Württemberg, Baden u. s. w. nachgedrucktwurden, noch unter den Lebenden oder waren erst seit wenigen Jahren ver-schieden. Gellert starb 1769, in den siebziger Jahren Haller, Rabcncr,Hölty, 1781 Lessing, 1794 Bürger; Klopstock, Herder, Schiller erlebtennoch das neue Jahrhundert, Heinrich von Kleist endete 1811, Wielandstarb im Jahre 1813. Jetzt waren alle diese und andere Autoren, derenWerke der Nation teuer waren, tot; seit dem Tode Lessings, Hallers,Nabcners, Höltys waren drei bis vier Jahrzehnte, seit dem Tode Gellertswar fast ein halbes Jahrhundert vergangen. Sollten einige wenige Vcr-lcgerfamilien auf ewig im ausschließlichen Besitze der Werke dieserAutoren und einst im Besitze der Werke von Goethe und Jean Paul ,von Fouque, Tieck und Eichcndorff bleiben?

Es waren durchaus veränderte Verhältnisse, auf die die alte Grund-anschauung, daß das Verlagsrecht so lange unverletzlich sei, als es inAusübung stehe, nicht mehr passen wollte; und die spekulativen Ver-leger, die jetzt nach den Freiheitskriegen den Deutschen billige Klassikcr-auSgabcn bescherten, handelten im Sinne der diesen Verhältnissen inne-wohnenden Tendenz. Von 1812 bis 1823 erschienen bei Rommers-kirchen in Bonn die von ihm selbst herausgegebenenGeistesblüthen",eine Auslese aus der besten neucrn deutschen Poesie. Seit dem Jahre1815 erschien bei den Gebrüdern Schumann in Zwickau , die seit 1818