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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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140 3. Kapitel: Die Gründung des Börseuvereins der Deutschen Buchhändler.

allein wissen, wie er bestehen kann. Leben, Rührigkeit, Absatz sind ver-schieden. Sollen diese Triebfedern gerade aus dem Buchhandel beseitigtwerden? Der Verleger ist Fabrikant; das Buch ist seine Ware. DerFabrikant aber gibt seine Ware demgut zahlenden und viel absetzendenKunden". Die beständige Klage über die Zunahme der Konkurrenz istebenso ermüdend als sie thöricht ist. Überall vermehrt sich mit fort-schreitender Civilisation und steigenden Bedürfnissen die Zahl der Kon-kurrenten und wiederum soll es gerade im Buchhandel nicht derFall sein! Personen und Bedürfnisse halten sich schließlich im Gleich-gewicht. Das Übermaß muß sich von selbst bestrafen. Geht es denMaterialwarcnhnndlern anders? Und erzwingt nicht gerade die steigendeKonkurrenz immer rührigere und bessere Bedienung des Publikums undimmer größern Nutzen des Fabrikanten? Brockhaus führt Dresden , woja die Zahl der Buchhandlungen normiert war, als Gegenbeweis an;wären dort, sagt er, drei oder vier kräftige und regsame Sortimcntcrmehr vorhanden, es würden die doppelten Geschäfte gemacht. Ob dieObrigkeit es zulassen würde, wenn die Buchhandlungeneine Art vonTribunal bilden wollten, das den sonst rechtlichen Bürger deshalb be-strafen wollte, weil er das Publikum 5 oder 10 pr. Cent billiger zubedienen gedächte, als es die Meinung der Andern sehn dürfte", sei sehrdie Frage. Eine Verantwortlichkeit der Kommissionäre für die Speditionvon Nachdrucken sei unmöglich. Wenn mit Buchhandlungen, deren Be-sitzer den Buchhandel nicht gelernt hätte (wozu ja Brockhaus selbst ge-hörte), die Geschäftsverbindung aufgehoben werden sollte, so möge mandie Güte haben, den Anfang mit Herrn Dr. Cotta in Stuttgart zumachen. Brockhaus faßt seine Ansichten zusammen in dem Grundsatze:1.m88sr taire.Die Nachthcilc, die durch die Freiheit des Handels undVerkehrs entstehen, sind nie so groß als die, welche der Zwang undPrivilegien herbeiführen." Das war das Gegenüber der allgemeinsten,über der speziellen Färbung durch Verlags- oder Sortimentsintcrcsscstehenden Anschauungen über genossenschaftliche Beschränkung oder absoluteFreiheit im Bücherverkauf. In einem von ihnen umschlossenen cngernKreise traten sich aufs schärfste die Interessen des Verlags und desSortiments gegenüber. Der Anführer der einseitigen Vcrlagspartci warder Buchdrucker und Verleger Friedrich Christian Dürr. Er war sehrzufrieden mit der Rabattbcschränkung des Sortiments. Die Verfügung