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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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6, Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 18141840.

Erinnerung, Rechenschaft, Hoffnung, Forderung und Zuversicht derWissenschaft, der Bildung, der Stellung des Staatsbürgers, der Technik,der Wirtschaft, des Verkehrs waren in dieser Dcnkfeicr gesammelt undvereinigt.

Hoffnungen und Forderungen: Einheit, Freiheit und Größe aufdem Gebiete des Staates, der Technik, des Verkehrs gehörten nochdem Reiche der Ideen an, und wie man sich in den Tagen jener Jubel-feier erst erzählen konnte, daß ein Jahr vorher im Staate der deutschen Büchercentrale die erste größere Dampf-Eisenbahn für Fcrnbetrieb inDeutschland, die zwischen Leipzig und Dresden , eröffnet und die erstedeutsche Lokomotive erbaut worden sei, so befand man sich in einer Zeit,da noch dasfreie Manneswort" als besondere That galt. Der Nach-druck von Bundeswegen verboten aber noch erlebte man sein letztesWuchern in Südwestdeutschland ; das litterarische Urheberrecht begründetund der Grundsatz der beschränkten Schutzdauer festgestellt aber nochwar die Herrschaft der Privileganschauung nicht gebrochen, und nochlebte in einem Staate wie Sachsen das ewige Verlagsrecht; zu Beginnder dreißiger Jahre die Erschütterungen der Julircvolution abernoch lastete auf Geist und Handel der entwürdigende und belastende Druckeiner autokratisch bevormundenden Censur.

Die Zeit aber etwa um das Jahr der Pariser Julitage war eineZeit kräftigeren Ausgreifens nicht nur staatsbürgerlicher, sondern auchlitterarischer und buchhändlerischer, buchgewerblicher Kräfte. Es handeltesich um eine Verbreitung nationaler Teilnahme nicht nur an der Ver-waltung des Staates, sondern auch am Genüsse der Bildung.

In jenen Jahren ging Goethe von uns und verschieden die beidengroßen Klassikerverleger: nicht lange vor ihm, 1828, Göschen, der wohlvon technischen Fortschritten typographischer Verschönerung und Ver-feinerung, aber nicht von solchen bloßer Beschleunigung und Vermehrungwissen wollte, in dem gleichen Jahre mit Goethe, 1832, Cotta, die Ver-körperung exklusiver Verwaltung kostbarer Aussaat. Gerade damals brachenneue Wellen politischer Interessen, realistischer Interessen, volkstümlicherBildungsinteressen sich Bahn. Ein drängendes Wachstum der Bindungund Entbindung, der Vertiefung und Verbreitung, in dem die Ideenfortschreitender Gestaltung der Verfassung und des Verkehrs des Ganzenund der Bildung des Einzelnen vereinigt waren. Ein Wachstum, in