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6. Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1814—1840.
Pariser Firma, Bossange Pere, war auch der Verlag des ersten Jahr-ganges des deutschen Pfcnnigmagazins; das Unternehmen selbst war,vom Kapital abgesehen, ganz das Werk des aus Siblingen bei Schaff-hausen stammenden Johann Jakob Weber . Seit 1830 Geschäftsführerder Bossangcschen Zweigniederlassung in Leipzig , rief er das Pfcnnig-magazin im Jahre 1833 ins Leben. Er war Schöpfer, Schriftleiter,Verfasser der meisten Aufsätze und geschäftlicher Leiter in einer Person.Die Aufsätze waren kurz, umfaßten, um mit Webers Worten selbst zureden, Himmel und Erde, Mensch und Tier, brachten nützliche Lehren,suchten durch Beispiel klug zu machen, boten sittlichgutc und religiöseMaximen. Das Unternehmen schlug sofort ein. Die Expedition mußte,was in Leipzig noch nie dagewesen war, Pferd und Wagen anschaffen,um die Bestellungen an die Kommissionäre befördern zu können; ganzeBallen wurden von Leipzig versandt; es wurde von Leuten gehalten, diefrüher überhaupt nicht wußten, was ein Journal sei. Schon Ende 1833betrug die Auflage 35000, und sie stieg bald auf 100000 Exemplare.
Neben die alte Krünitzsche Encyklopädie (Berlin 1773—1858, 242Bände) trat als zweite große wissenschaftliche Universalencyklopädie die„Allgemeine Encyklopädie" von Ersch und Gruber (Leipzig 1818 fg.,Gleditsch, seit 1831 F. A. Brockhaus); in reicher Zahl entstanden, be-sonders in den dreißiger Jahren, gerade in Deutschland wertvolle wissen-schaftliche Spezialcncyklopädien, wie in Altenburg Picrers „Anatomisch-physikalisches Realwörterbuch", in Leipzig die Neubearbeitung des Gehler-schen „Physikalischen Wörterbuchs", Krugs „Allgemeines Handwörterbuchder philosophischen Wissenschaften", Weiskes „Rechtslexikon", in Stuttgart Prechtls „Technologische Encyklopädie", Paulys „Nealcncyklopädic desdeutscheu Altcrthums". Wie auf dem Gebiete der großen wissenschaftlichenRealencyklopädien die Krünitzsche Encyklopädie noch am Leben war, soerschien auf dem Gebiete der für den weiten Kreis der Gebildeten be-stimmten kleineren cncyklopüdischen Werke in den zwanziger Jahren dieletzte, 31. Auflage des alten Hübnerschcn Zeitungs- und Konversations-lexikons (Leipzig 1824—1828); das Brockhaussche Konversationslexikonaber fand — von den Nachdrucken ganz abgesehen — schon in denJahren 1813 und 1816 in Leipzig sowie in Altenburg und Leipzig dieersten Nachahmungen, die zwanziger Jahre brachten solche aus Wien ,