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6, Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1814—1840.
war unserer Zeitschrift mehr als Verleger; er war Mitberather undMitarbeiter der ihm treulichst befreundeten Herausgeber". „Mir istdie Gabe verliehen", schrieb er zu Anfang der zwanziger Jahre an denFreiherr» von Gagcrn, „Zerstreutes zu einigen, Fernstehende zusammen-zubringen und Mißklänge des Geistes und Herzens unter redlich Wol-lenden auszugleichen. Das ist der Pflug, mit dem ich gepflügt habemein Leben lang." Er schrieb es in Bezug auf Heeren und UckertsEuropäische Staatengcschichte; sechs Jahre der Mühe und Arbeit, desAnregens und Anklopfens, des Drehens und Wendens kostete es, bis1829 die erste Lieferung erschien. „Ein Gelehrter hätte Menschen undSachen weder zusammengebracht noch zusammengehalten; es gehörte eineStellung wie die meiuigc dazu, um zu erreichen, was erreicht ist."
In Berlin war einer der hervorragendsten Vertreter des dem Dienstedes vornehmen Originalverlags gewidmeten Buchhandels Georg AndreasReimer , der Stadtverordnete und Stadtrat, der kunstsinnige Gemälde-sammler, der Besitzer seit 1822 zugleich der Buchhandlung PhilippErasmus Reichs: der Weidmannschen Buchhandlung (deren Mitbesitzerseit 1830 Solomon Hirzel war), der Verleger der Gebrüder Schlegelund der Gebrüder Grimm , von Arndt, Schleiermacher und Fouque, vonFichte, Tieck, Novalis , Kleist, Jean Paul, Niebuhr, Humboldt, Fach-mann, Ritter. —
Unvergleichlich und unersetzlich ist für den Gang unserer Kulturdieser Verleger, in dessen Person sich das wirtschaftliche Wagnis vonder Persönlichkeit des freien geistigen Schöpfers abtrennt. Vater oftdes Gedankens und noch öfter ihrer Sammlung und Gestaltung, Pflegerund Beschützer des Werkes in seiner Entstehung, mütterlicher Leiterdes Werkes, das, zu seiner Welt gebracht, den Gang auf den großenMarkt antreten soll. Und mit welchem sicheren Takt, welcher ruhigenVornehmheit Cotta dabei seinen Autoren gegenüberstand, wie mit un-zähligen Fasern der Freundschaft und Liebe Perthes mit einer Weltdeutscher Autoren verwachsen war, wie Reimer von Männern wie ErnstMoritz Arndt fast mit einer Art von Begeisterung verehrt wurde, wirddie Geschichte des deutschen Buchhandels bei diesen Männern so wenigvergessen, wie bei zahlreichen andern. Der im Unterschied zur Ge-schichte der Wissenschaften und der Litteratur uud zu der ihrem Wesennach unveränderlichen Stellung des Verlegers zu ihnen gerade der Ent-