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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Censur in Sachsen. Censur nnd literarischer Gesichtspunkt. Z^l

fiszicrt wcrdcn konnten, während sogar Österreich als anstößig erachteteBücher, die in andern Bundesstaaten ccnsiert waren, zurücksandte; daßBücher oder Teile daraus nach erfolgter Druckgenehmigung unter Ent-schädigung zwar der Drucktasten, aber ohne Berücksichtigung des Hono-rars unterdrückt werden konnten. Das Ministerium bezeigte darüberseine Verwunderung, da die Verordnung ja nurBekanntes" enthalte;man sah sich aber in der That genötigt,Erläuterungen" zu erlassen,die den Fortbestand der bisher in der Praxis eingeführten Erleichterungensicherten, mit der Drohuug, daß das Gesetz vom 13. Oktober unver-züglich iu allen seinen Bestimmungen Gesetz werde, wenn der Buchhandelnicht die gewünschte Fügsamkeit zeige. Dagegen blieben diejenigen Be-stimmungen in straft, nach welchen der Kommissionär dem Verlegerglcichgeachtet wurde und damit auch dessen Pflichten erfüllen sollte. DieDeputierten machten vergeblich dagegen geltend, daß es Gebrauch sei,zur Empfehlung eines Buches neben dem eigentlichen Druckort undVerleger oft noch Leipzig und eine Leipziger Firma auf dem Titel zuucnncu, wovon Leipzig und die betreffende Firma, die sogar oft garnichts von ihrer Nennung wisse, natürlich auch ihre Vorteile hätten,und baten vergeblich, das Vorlegen des Buches wenigstens nur dannzu beanspruchen, wenn es sich um ein außerhalb der Bundesstaatengedrucktes handle. Und in Übung kam die Rcccnsur, beständig bekämpftvom Buchhandel, Buchdruck und in den Landtagsverhandlungcn.

So ließen die beiden Staaten, die in ihrer für Deutschland undden deutschen Buchhandel in besonderem Maße bemerkenswerten Stellungzu Führern fortschrittlich-befreiender Bewegung berufen waren, eine ent-scheidende Wcnduug in diesem Sinne nicht eintreten. Mit ihrem Jn-und Durcheinander fortschrittlicher und rückschrittlicher Triebkräfte aberwar ihre Stellung bezeichnend für die Verhältnisse einer Censur undPrcßpolizci, deren Druck in den Jahren vor und nach 1840 im ganzengleichmäßig, ja mit steigender Verschärfung auf dem Buchhandel lastete.

Drei Hauptgcsichtspunkte kommen für die Institution der Censur unddie Handhabung der Prcßpolizci in Betracht: der littcrarischc, der ge-werbliche und, um einen kurzen Ausdruck zu wählen, der moralische.

Waö den littcrarischcn Gesichtspunkt betrifft, so hat sich aus demWalten der vormärzlichen Censur in Deutschland vielleicht nichts tiefer