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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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284 7- Kapitel: Von der Säkularfeier bis zu den Märztagen (18401848),

bequeme und nützliche Sicherheit verschaffte, daß man solche Vorzügeaber, selbst wenn sie noch bedeutender gewesen wären, nimmer um denPreis der Schmach geistiger Bevormundung wieder würde zurückerkaufenwollen: so sind das spätere Zeugnisse für frühere Stimmungen derselbentiefen und grundsätzlichen Feindschaft wider die Institution der Censur, wiewir sie in der vormärzlichcn Zeit besonders von schriftstellerischer Seiteher ausgesprochen finden. In den Stimmen des zeitgenössischen Buch-handels überwog die Betonung des mit der Censur verbundenen Au-slandes der Unruhe, Unsicherheit, Willkür, und man verlangte aus demZustande der Präventivherrschaft der Sensoren heraus in den Ncpressiv-stand einer an einheitliche und exakte Gesetzgebung gebundenen Recht-sprechung. Darin aber laufen die Äußerungen über gewisse Vorteileder Censur, über ihre Verabschcuungswürdigkeit im ganzen und über ihreNachteile im einzelnen wie in einem Punkte zusammen, daß sie denFeind, der unter allen Umständen zu Fall gebracht werden muß, imCensursystem als solchem und ganzem erblicken. Und daran, das Systemder Censur zu Fall zu bringen, arbeitete mehr oder weniger bewußt undmehr oder weniger grundsätzlich der deutsche Verlagsbuchhandcl, repräsen-tiert durch Julius Campe in Hamburg den Bruder des Begründersdes Börscnvereins, der im Freihcitsjahr 1813 das Schwert ge-schwungen hatte und jetzt als Verleger des Jungen Deutschland derFreiheit eine Gasse" bahnte, und das Sortiment in ganz Deutschland und Österreich , indem es mit gewandter List den verfolgten Gedankenan den Mann zu bringen wußte; der Buchhändler stand mit in vordersterReihe, wenn es galt, sich der Persönlichkeiten verfolgter Autoren anzu-nehmen: als nach der Vertreibung der Göttinger Sieben im Jahre 1837in Leipzig der Göttingcr Verein entstand, der Männer aus ganz Deutsch-land zu dem Zwecke zusammenschloß, um den Sieben bis zu ihrer Wicdcr-anstellung ihr altes Gehalt zu zahlen, standen an seiner Spitze auch diebeiden Besitzer der Wcidmannschcn Buchhandlung Karl Reimer undSolomon Hirzcl, und in Jena übernahm die Leitung Friedrich From-mann ; und unter den Männern, von denen Theodor FlötheDeutscheReden" alsDenkmäler zur vaterländischen Geschichte des 19. Jahr-hunderts" sammelte, steht neben Fichte, Treitschkc, Uhland, Bismarck,Roon und wie die auserlesenen Großen sonst heißen, auch der deutscheBuchhändler des Vormärz, Heinrich Brockhaus mit der RedeFür die