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Stärkcrn rücksichtslos zu üben sei." — „Der deutsche Buchhandel",schließt die Denkschrift, „ist mit dem ganzen deutschen Volksleben unddessen edelsten Thätigkciten auf das Innigste verwachsen und im Laufedreier Jahrhunderte, lange Zeit unbeachtet, zu seiner jetzigen Organi-sation gelangt. Das Herz dieses Organismus bildet das Leipziger Com-missionswcscn, aber es ist auch zugleich der verwundbarste Theil undjede Verletzung desselben bedroht das Ganze in seinem innersten Leben.So schmerzlich wir Buchhändler jede Beschränkung unsrcr freien Be-wegung empfinden, die uns in andern Kreisen trifft und mit den all-gemeinen Bestrebungen der Zeit in Widerstreit bringt, so fürchten wirin diesem Falle noch weit mehr die nothwcndige Folge der Beschränkung,nämlich die Auflosung des einzigen Bandes, welches den ganzen Buch-handel umschlingt. Ebenso sehr sind wir überzeugt, daß, wenn wirklichdie jetzige Blüthe des Buchhandels vernichtet würde, um misfalligeTendenzen der Literatur zu unterdrücken, auch damit die Erreichung desbeabsichtigten Zweckes nicht zu erkaufen wäre."
Es kam zu den angedrohten Maßregeln gegen das Ganze nicht; dieEingriffe aber in einzelne Kommissionslagcr bei Gelegenheit der Ver-folgung bestimmter Verlagsartikcl — Durchsuchung der Lokalitäten undAufschneiden der zum Versand bcrcitliegcndcn Bücherballen bei den Kom-missionären bei Glaßbrenncrs „Neuem Reineke Fuchs" und einem Heftevon O. Wigands „Deutscher Vicrteljahrsschrift — bewirkten, daß schonim Herbst 1845 nebst einer neuen Beschwerdeschrist eine buchhändlerischeDeputation nach Dresden abging, um die Beschwerden persönlich vor-zutragen: eine Deputation, die vom Minister von Falkenstcin wiederumauf loyales Zusammenhalten der Leipziger hingewiesen wurde, woraufsich Heinrich Brockhaus , Mitglied der Sächsischen Kammer, zu erwidernerlaubte, daß der Gedanke eines buchhändlerischen Tugendbundes doch wohlkaum aussichtsreich sei.
Wenn, als es keine Censur mehr auf deutschem Boden gab, vonVerlegern, und zwar nicht nur in Ausnahmezeiten besonders hochgradigerSpannung zwischen dem Staate einerseits und Presse und Buchhandelandrerseits, wohl zuweilen Äußerungen dahingehend gemacht wurden:die Institution der Censur habe ihre gewissen nicht zu leugnenden Vor-züge darin gehabt, daß sie dem Verleger eine gewisse Ruhe, eine gewisse