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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
367
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Volckmcirs Barsortimcnt, Rciscvcrtrieb.

Wir haben diejenige Seite der Geschichte des Geschäftsverkehrs inden mittleren Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gezeichnet, welche darinbestand, den Gesamtvcrkchr zu entpersönlichen und in dem Sinnegründlicher arbeitsteilig zu gestalten, daß er in einer dem beständigenSteigen der Produktion und der Firmcnzahl entsprechenden immerleistungsfähigeren Weise ccntralisicrt wurde. Das Gegenstück dazuwar die steigende Geltung, die gewisse Erscheinungen gewannen, welchebestimmt waren, die Erzeugnisse des Verlags neben jener Organisationin möglichst nachdrücklicher Weise nutzbar zu machen und nach allen Seitenin die Lande auszustreuen. Das ist einmal der Vertrieb durch Reisende,wie er schon früher besonders von großen katholischen Handlungen Süd-dcutschlands in riesigem Maßstabe geübt wurde, jetzt aber namentlichfür bändereiche Sammelwerke praktischen Eharakters, Klassikerauögabeuu. dergl. allgemeiner wurde. Natur und Bedeutung dieser Vertriebsartmögen gekennzeichnet werden durch eiuige Bemerkungen, die BernhardFriedrich Voigt in Weimar darüber im Jahre 1840 machte. Er benutze,so sagt er, Reisende zuweilen und gleich vielen andern Kollegen; und zwarbesonders dazu, um mit den 106 Bänden seinesSchauplatzes der Künsteund Handwerke" mehr in die Reihen des Handwerkerstandes einzudringen.Den Sortimentsbuchhandluugcn entgehe dadurch nichts: denn ohne dieThätigkeit der Reisenden würden die von diesen bewirkten Bestellungenüberhaupt nicht gemacht worden sein, also auch nicht beim Sortiment.Umgekehrt übertrage er den Sortimenternoft" sowohl die Bestellungselbst, als auch daraus erwachsende Fortsetzungen, und er unterlasse nie-mals, das kollegiale Verhältnis zu schonen, d. h. keineeigentlichenLiteraten und Biichcrkunden" aufsuchen, ja sogarin der Regel" Städte,in denen esgute Buchhandlungen" gebe, nicht berühren zu lassen.Pietsch <K Co. in Dresden ließen ihre fcingcbildeten Geschäftsreisendengrundsätzlich bei den Ortsbuchhändlcrn ihre Aufwartung machen unddann erst mit einer Empfehlung der Ortsbuchhandlung am Orte Sub-skribenten sammeln. Wie aber auch dabei die Stellung von Verlagund Sortiment sich gestaltete eine Frage, die uns hier des nähernnoch nicht berührt, die mit den dreißiger Jahren sich stärker aus-breitende Verwendung der Reisenden war eine wesentliche Seite des indie Forderungen gesteigerter geistiger und wirtschaftlicher Rührigkeithineinwachsenden lmchhändlcrischcn Vertriebs.