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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Störungen in der dritten Periode.

Mit der dritten Periode kam statt des Tauschhandels der Geld-verkchr und der bedingungsweise Bezug und an Stelle des persönlichender schriftliche Verkehr zur Herrschaft, und die duchhändlerischen Ge-schäftszweige gingen einer steigenden Differenzierung entgegen.

Die Erschütterungen, die sich zur Zeit des Übergangs selbst vonder zweiten zur dritten Periode ergaben, bestanden in den Begleit-erscheinungen derLagerentschüttung".

Die pathologischen Erscheinungen und Vorgänge der social willkür-lichen Sclbstregulierung in der Geschichte des deutschen Buchhandels im19. Jahrhundert aber reichten viel weiter und tiefer.

Der gewerberechtliche Zustand, in dem der Buchhandel groß gewordenund gleichsam erzogen worden war, war der des geschlossenen Gewerbe-betriebs. Freilich hatte der Buchhandel niemals und nirgends unter derInnungsvcrfassung gestanden. Allein er war emporgewachsen unter derHerrschaft der gewerblichen Privilegierung, die vielfach sogar zu einerlange und zäh festgehaltenen örtlichen Beschränkung der Firmenzahl ge-führt hatte. Dieses System gewerblicher Einhegung, verbunden mit einerOrganisation, in der sich die notwendige kulturelle und merkantile Reich-weite jedes einzelnen Buches ihr Werkzeug schuf, machte grundsätzlich und wenn auch beschränkt durch die besondern Bedingungen unserer geistigenund politischen Geschichte im weitesten Umfange auch tatsächlich denBuchhandel zu einem in sich und nach außen fest geschlossenen und ab-geschlossenen Gewerbszwcige. Von einer Sorge hinsichtlich der Qualitätder Ware Hütte selbst bei einer Zunftverfassung für den (Verlags-)Buchhandel kaum die Rede sein können. Wenn aber die Zunftstatutenfür die technische Erziehung des gewerblichen Nachwuchses, für Ein-haltung gleicher Preise und ein gesichertes Auskommen der Zunftgcnosscnsorgten, so waren das Verhältnisse, auf deren Aufrcchterhaltung auchdie Grundsätze der Organisation des Buchhandels, ungeachtet er einfreierHandel" war und blieb, d. h. keinen Jnnungsgesetzcn unterstand undinsofern jedem zugänglich war, wirksam genug zugeschnitten waren.

Das 19. Jahrhundert brachte Erscheinungen, die die Funktionen desso gestalteten Gesamtorganismus störten.

Übersicht man die Hauptzüge der buchhändlerischen Organisation,wie sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts gestaltete, so werden dieauflösenden und zerstreuenden Momente durch die erhaltenden und zu-