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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Z74 1<)> Kapitel - Die Reformbewegung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.

sammcnhaltcnden kompensiert. Das Geldgeschäft, der schriftliche Verkehr,die Differenzierung der Geschäftszweige enthalten auflockernde, verselb-ständigende, vereinzelnde Tendenzen. Im Konditionsbezug aber findetdie überpersönliche Einheit des Verlegers und seiner Sortimentcr klassi-schen Ausdruck, die Differenzierung hat als Arbeitsteilung zugleich starkorganische Kräfte, und mit dein Schritt vom zeitweiligen persönlichen zumdauernden unpersönlichen Verkehr hat sich die Bedeutung der über-individuellen Centralisierung nur gefestigt.

Dennoch wurde das 19. Jahrhundert buchhandelsorganisations-geschichtlich ein Zeitalter, in dem die gewerbliche und organisatorischeGeschlossenheit und Abgeschlossenheit in Kampf und Frage gestellt wurde.

Die Zustände und Verhältnisse weit zurückliegender Zeiten ver-hältnismäßig einfacher und diejenigen viel späterer Zeiten hoher EntWickelung zeigen durch gewisse ihrer Eigentümlichkeiten, die gerade zuden auffallendsten zwischen ihnen bestehenden Gegensätzen gehören,eine gewisse Übereinstimmung hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutungdes Raumes. In der ersten Periode, der Periode eines noch auswenigen Mitgliedern bestehenden Buchhandels in einem mit kleiner»und weit verstreuten Plätzen besetzten Räume, gehörte jedem jenerHändler dieser ganze Raum, den er durchstreifte, ähnlich wie inprimitiven Zeiten die Horden durch noch kulturleere Länder schweifen.Die zweite Periode setzte an die Stelle des einen, allen gegebenenRaumes die vielen, an die Einzelnen verteilten Räume. In der drittenPeriode aber waren es gerade die Errungenschaften einer hochentwickeltenKultur, die daneben die Räume der Einzelnen wieder auszudehnenstrebten, über das Nebeneinander der abgeteilten Räume wieder denallen gemeinsamen Einen Raum, nun aber, weil er ganz andersmit Käufern und Händlern erfüllt war, als den allen gemeinsamenKampfraum setzen wollten und denjenigen, welche durch die Gunst derVerhältnisse oder eigene Kraft Herr der besonder» Leistungsfähigkeitjener Errungenschaften waren, ihn in hohem Maße wirklich zur Ver-fügung stellten.

Wenn das Wachstum der Gesellschaft es war, das solchen Verände-rungen zu Grunde lag: so würde man doch auf der Oberflüche bleiben,wenn man sich dabei genügen lassen wollte. Und wenn Wachstum