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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Modernes Antiquariat.

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Rand der Sonnenschcibe, so schössen daher seit den zwanziger und dreißigerJahren über den Bannkreis des herkömmlichen regulären Buchhandelsdie Erscheinungen des verlegerischen Reisevcrtricbs hervor, und danebenrief das, was der dem Verleger gegenüberstehende Vertriebsmechanismusan alter Wagnistragkraft und neuer Beweglichkeit vermissen ließ, dasneue Vertriebselement des modernen Antiquariats herbei. Es brachtekraft der Wirkungsfähigkeit echt kaufmännischer Grundsätze, wobei esumgekehrt im innern Geschäftsverkehr auch den alten Changehandelwieder aufleben ließ, manches unter, was sonst Makulatur gewordenwäre, und es war nach dieser Seite hin als Übergangserscheinung deut-lich schon im Rcformversuch vom Jahre 1820 zu beobachten. Währendes so in einer Bethätigung, die man sich ein halbes Jahrhundert spätergewöhnte als die des Restbuchhandcls zu bezeichnen, die Ähren auflas,die das Sortiment nicht zu Garben gebunden hatte, warf es sich aberandrerseits und vor allem auf die Schleudere! mit ncucrn und neuestenErscheinungen, die im Sortimentsvertricb als absatzfähig erprobt waren,um so zu ernten, wo das Sortiment gesät hatte. Der Verleger strebtnach Barabsatz, das Sortiment verhält sich ablehnend; der Verlegerlockt und reizt mit billigen Partiepreiscn, das Sortiment ist spröde; dermoderne Antiquar greift zu. Wir haben unter dem modernen Anti-quariat einmal wirkliche Antiquariatsgcschäftc zu verstehen, die in dieKreise des Sortimentshandels übergriffen. In guter alter Zeit glatteingepreßter gewerblicher Befugnisse ging der Weg vom Verleger zumAntiquar über die Bücherschränke des Privatmanns. Jetzt wurde derWeg vom Verlag unmittelbar übers Antiquariat zum Publikum, jasogar vom Verlag übers Antiquariat zum Sortiment und durch dieseszum Publikum angelegt. Was zu Zeiten des Tauschhandels in denhundert und aberhundert großen und kleinen Tauschlagcrn versickert warund jetzt dort, wo es sich um gesteigerte Spekulation auf raschen Massen-absatz handelte, solchen Abströmens doppelt bedurfte, ging nun, vomSortiment ins Lager des Verlegers zurückgeströmt, an spekulative Anti-quare. Wir haben unter dem modernen Antiquariat zweitens reguläreBuchhandlungen zu verstehen, die den Buchhandel in der eben bezeichnetenWeise, sei es nebenbei, vorwiegend oder ausschließlich, betrieben. Dermoderne Antiquar kaufte gegen bar mit erhöhtem Rabatt und Frei-exemplar Partien vom Verleger, kleinere zuerst, dann größere, er kaufte