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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Z80 lO. Kapitel: Die Reformbcwegimg bis zuni Ausgang der sechziger Jahre.

kleine Auflagcrestc. Besonders aus Süddcutschland gingen die erstengroßen Erscheinungen dieser Art hervor. Ja während der Verleger deralten Zeit spekulierte mit der selbstverständlichen Boraussetzung des Ab-satzes durch den regulären Sortimentsbuchhandel, fingen jetzt gewisseBerlagshandlungcn an, von vorn herein mit dem Abzug durch dieSeitenkanäle des modernen Antiqnariats zu rechnen. Die Preisherab-setzung wurde zu einer für die Zeit charakteristischen Erscheinung, unddas Publikum gewöhnte sich, damit zu rechnen. Stuttgart mit seinerhochgestcigertcn Uutcrnchmcrthätigkcit, für die die Namen Franckh, Rieger,Schcible bezeichnend waren, wurde einer der ersten typischen Herdesolcher Ableitung des Verlags au das Antiquariat; die Antiquare, diediese neue Seite des Geschäfts pflegten, scheinen, für dessen Charakterbezeichnend, vielfach jüdischer Herkunft gewesen zu sein: Tongcr in Köln ,Buer und Goar in Frankfurt a. M. In je größerem Umfange der Bezuggeschah, um so niedriger waren die Preise, und um so leichter und aus-giebiger tounte der Antiquar die Grundsätze kaufmännischen Handelsdaranf anwenden. Moderner Untcrnehmcrgeist, der nach dem Fabriksystemarbeitete, in Verbindung mit der Organisation des Konditionssystcms.

So war denn allerdings das moderne Antiquariat eine Erscheinung,außerordentlich bezeichnend für die Natur des geistigen und wirtschaft-lichen Wandels, der sich nach gewissen Seiten hin im Buchhandel seitden zwanziger, dreißiger Jahren vollzog. Es prägte sich in ihm ausdie Umgehung des Sortiments, die Beugung des festen Preises, dieAuslockerung der gewerberechtlichen Abgeschlossenheit.

Die Grundlinien der Organisation, wie sie sich nach dem Zeitalterdes Tauschhandels gestaltete wobeiGrund" zu betonen ist, dennwir haben auch Nebenlinien, z. B. des Kommissionsgeschäfts als einerArt Großsortiments kennen gelernt, bestanden im unmittelbaren Ver-kehr des Sortimcntcrs mit dem Verleger. Das bedeutete einen doppeltenUnterschied. Einmal hatte in der alten Zeit als für die Organisationwesentlich erstens unmittelbarer Verkehr (der changierenden Vollbuch-händler untereinander) und zweitens (durch die Großsortimcnte der Tausch-lagcr> vermittelter Verkehr bestanden, während jetzt der letztere weg-gefallen war. Sodann hatte der alte unmittelbare Verkehr in einemfolchcu zwischen Buchhändler und Buchhändler bestanden, jetzt dagegen