Sortiment und Verlag.
bestand er zwischen Verleger und Sortimcnter, Sortimcnter übrigensnicht allgemein schon in dem heutigen Sinne. Denn hatte es auchnatürlich reine Sortimcnter, namentlich je weiter wir in bescheidenereNiederung hinabsteigen, schon seit lange gegeben: für das durchschnitt-liche Sortimentsgeschäft, wie es als Träger und Gegenstand der Ge-schichte der Ncformbewcgung in Betracht kam, waren die Entwicklungs-stufen die, daß es zuerst organische Verbindung von Verlags- undSortimentsgeschäft war, dann, wenn wir kurz so sagen dürfen, einAggregat von Verlag und Sortiment und erst dann zum ausschließ-lichen Sortiment wurde. Der durchschnittliche reguläre Sortimenterdes 19. Jahrhunderts betrieb noch sehr lange neben dem Sortiments-geschäft einen kleinen Verlag; Otto Wigand meinte noch im Jahre1839 sogar, man solle, da sehr viele Verleger den Sortimcntshandelbetrieben und umgekehrt, lieber allen Unterschied zwischen Verlags- undSortimentshandluugcn aufheben; und diese Gestaltung war ja geschichtlichdurchaus erklärlich. Der Sortimentcrvcrlegcr der Tauschzeit wurde ja nichtmit einem Schlage Sortimenter der Konditionszcit, sondern je weiter derNcttohandcl um sich griff, einer desto größeren Zahl von Firmen gegen-über wurde er Sortimcnter, während er den übrigen Firmen gegenübernoch dcr alte Verlagssortimcntcr blieb, dabei anch vielfach noch denTausch pslcgend, wobei aus Changevcrzcichnisscn gewählt und im Kouto-korrcntbuch ein besonderes Changekonto geführt zn werden pflegte. Denktman aber an die Ausführungen zurück, die unser zweiter Band über diewirtschaftlichen Folgen enthält, die der Übergang vom Tauschhändlcr zumSortimcnter für dicscn bedcutctc, so ist verständlich, wie auch nach demvölligen Absterben des Tauschvcrkchrs dcr Sortimentcr zunächst nochimmer an der alten Verlagstradition festhielt: es kamen die merk-würdigen Jahrzehnte, in denen das, was die Tauschhnndclszcit „das Sorti-ment durch dcn Verlag balancieren" nannte, in der Gestalt auftrat,daß dcr Buchhändler zwei organisch gar nicht mehr zusammenhängcndcGeschäfte' führte, ein Sortiments- und ein Vcrlagsgcschäft, in jenemseine Warc halb verschenkte und sich dafür mit diesem mühsam überWasser hielt; wir werden typische Beispiele dafür weiter unten kcnncnlcrncn. Aus jener Doppclverschicbung — unmittelbarer Verkehr, undzwar nicht zwischen Buchhändler und Buchhändler, sondern zwischen Ver-leger und Sortimcnter — ergaben sich aber, in Wechselwirkung mit dein