382 19- Kapitel: Die Reformbcwcguug bis zum Ausgang der sechziger Jahre.
allgemeinen Wachstum buchhändlerisch-littcrarischen Seins und Werdens,zweierlei Hauptfolgcn: die Geschäftsarbcit schwoll auf, und das einheitlicheBerlagssortiment zerfiel in zwei getrennte Geschäftszweige, die sich inmehrfacher Hinsicht gegenseitig nicht Genüge leisteten. Das Sorti-ment, schrieb Otto Wigand 1839, thut dem Bedürfnisse des Verlagsuicht Genüge und zeigt Indolenz im Novitntcnvertrieb; der Verlagschädigt das Sortiment durch Preisherabsetzung, durch Verschleuderungan Antiquare und durch direkten Vertrieb durch Trödler und Hausierer.Was früher die Leistung naturmüßigcr Selbstverständlichkeit gewesen war,wurde nun zum Zwiespalt der Bewußtheit zerrissen und wurde zu For-derung und Problem. Aus jener Einheit der Selbstverständlichkeitsonderten sich scharfe und kantige Pflichten und Rechte. Jetzt forderteder Verleger entweder freie Hand oder besondere Rührigkeit. Und derSortimenter als des Verlegers Hauptvcrtriebsorgan verlangte Ancrkcnnung als Alleinvcrtriebsorgcm.
Erweitert man den Gesichtskreis noch mehr, dann zeigt sich soschließlich, daß die Erscheinungen, von denen wir ausgingen, bezeichnendwaren für eine Tendenz auf ein gewisses Verschieben, Vertiefen, Fortrückender Organisation überhaupt. Wir haben Frankfurt als Hauptort fürjene Frühzeit des modernen Antiquariats genannt. Wie deutlich zeigtesich aber auch hier mit den letzten dreißiger Jahren das Borwärts-drüngcn buchhändlerischcn Betriebes! Alte Firmen verließen ihre altenLokale, um ihre Läden auf der Zeil aufzuschlagen; an ihren alten Stellenhatten sie 300 fl. Miete gezahlt, hier gaben sie 1200 fl.; neue Buch-händler ließen mit Macht an ihren Lüden arbeiten; ein Laden suchteden andern an Eleganz zu übertreffen; hier auf der Zeil hauste auchder viclberufene Antiquar Joseph Bär ; im Sommer 1838 bekam so dieZeil, die früher eine Buchhandlung gehabt hatte, sieben neue Buch-lüdcn. Die Organisation aber in ihrer Unruhe, ihrem Suche» undNeubildeu war — und wir werden weiter unten denkwürdige Belegedafür finden, wie klar sich die Zeit in ihren besten buchhändlerischenVertretern selbst darüber war — Wirkung und Symptom der all-gemeinen Wandlungen der produktiven und konsumtiven Kräfte, dieden Büchermarkt und seine Gestaltung konstituieren. Es war eintreffender Ausdruck, den schon damals die „Leipziger AllgemeineZeitung für Buchhandel und Bücherkunde" gebrauchte, als sie von der