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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
383
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Künstliche Notwendigkeit. Beschwerden über dcis Sortiment.

künstlich hervorgebrachten Notwendigkeit" sprach.Betrachten wir diegrößeren laufenden bibliopolischcu Unternehmungen, wieviele sind davondurch das wirkliche Bedürfnis) des Lebens und der Literatur, im allcr-weitcstcn Sinne des Wortes, hervorgerufen? Nicht der dritte Theil;die beiden anderen Drittthcilc dieser Spcculationcn beruhen dagegen aufMode und Neigung, oder künstlich hervorgebrachter Nothwendigkeit."Die aufgeschwellte Gcschäftsarbcit mußte eingedämmt uud konzentriertwerden; die in diesem Sinne fortgcstaltende Thätigkeit setzte, wie wir ausunscrm neunten Kapitel wissen, auch bald genug ein. Der Verlegersollte maßvoller verlegen, jedenfalls aber dein Sortiment uicht durchBenutzung anderer Vertriebswege und Preisherabsetzung Konkurrenzmachen. Der Sortimcntcr sollte wieder entschiedener in die Übernahmegemeinsamen Wagnisses eintreten, mehr Kaufmann werden, stattwieeine Mühle nur den Wust zu treiben, der ihm zugeführt wird", d. h.lebhafter gegen bar beziehen und sich lebhafter für den Verlag, auchälteren Datums, verwenden, wenn der Verleger nicht daneben andereWege einschlagen sollte.

Daß die Zunahme der Buchhandlungen an sich ein Kardinalübelsei, war nicht die allgemeine Meinung. Man wies darauf hin, daß einÜbel eher in der geographischen Verteilung der Firmen liege. Manbemerkte, zu Beginn der vierziger Jahre, man habe Buch-, Musik-,Kunsthandlungen und Antiquariate gegen 1250 an der Zahl in kaumvierthalbhundert Stödten, neben denen es im Bundesgebiet noch etwa2500 Städte gebe, ungezählt also diejenigen in Ungarn , den Ostsce-provinzcn, der Schweiz . Was man damit sagen wollte, war das, daßder Buchhandel die Pflicht eindringlicherer Vcrtriebsthätigkcit, kräftigenkulturellen Vordringens habe. Seitdem das Tauschsystem durch das>conditionssystem abgelöst ist, schrieb schon 1825 von Bergt, würden dieBücher leichter vergessen". Man müsse neue Mittel und Wege finden.Und so begann die Klage und Forderung betreffs der Unthütigkeit undRührigkeit des Buchhändlers als Sortimcutcrs. In alter Zeit hatteman die Bücher vorzugsweise durch Kataloge bekannt gemacht. ES warein Mittel, bezeichnend für einen Kreis, der in eigcnthätiger Muße wählte.Mau rückte dein Publikum jetzt handgreiflicher auf den Leib. Diezwanziger Jahre etwa waren die Zeit, in denen die Ansichtssendungzwar nicht auf-, aber zur Herrschaft kam. Es sind damit große Erfolge