384 Kapitel: Tic Rcformbcweguiia, bis zum ^lusgaiiji der sechziger Jahre.
crziclt worden; damals und lange nachher haben Sortimcntsgeschäftc fastausschließlich — d. h. neben oft spärlichem Ladenverkauf — auf dieserGrundlage bestanden und floriert. Rudolf Qldenbourg führt uns inseinen „Erinnerungen" ^München 1907) in einen solchen SortimcntS-betrieb ein, eine Lübecker Buchhandlung in den Jahren 1827/30. DieBarverkäufe sind nur unbedeutend, das meiste wird auf Jahrcsrcchnungverkauft. Der Ladcuumscch besteht ganz überwiegend im Verkauf vonSchulbüchern, besonders für das Gymnasium; das übrige wird fast aus-schließlich durch Ansichtssendung an ständige Kunden abgesetzt. Es sinddas vornehmlich Juristen nnd Ärzte; ein besonders hervorragendes Bei-spiel aber war der Vater Emauuel Gcibels, der reformierter Predigerwar; er hatte gewöhnlich eine Jahresrechnung von 800 bis 1000 Thalcrn,und seine Bibliothek erwuchs dabei ganz und gar aus Ansichtssendungen.In buchhändlerischcu Fachorgancn heißt es schätzungsweise 1840: dieHälfte, 1864: drei Fünftel des SortimcntSavsatzcs (ungerechnet die Konti-nuatioucn) werde durch Ansichtssendung erzielt. Aber die Verwendung derAnsichtssendung konnte dem Stande des Sortimentsbuchhändlers nicht denVorwurf ersparen, daß er die Mühe des Debits scheue und mit Bequem-lichkeit erwerben wolle. Das, was wir an früherer Stelle gesagt haben,zusammen mit der Hervorhebung des geographischen Gesichtspunkts wolltebesagen: daß der alte Zortimcutshandcl weder genügend in die Tiefe nochgenügend in die Weite reiche. Die großen Verleger modern-spekulativerRichtung, als dereu Typus etwa Joseph Meyer gelten kann, suchten denAbsatz des Sortimentcrs zu befördern durch Insertion, Mauer- undFcnstcranschläge, Subskribcntensammluug durch Subskriptionslisten, Ver-teilung i meist unentgeltliche) von Probeheften; sie suchten seine eigeneThätigkcit aufzupeitschen mit Extraprovision, Freiexemplar und erhöhtemRabatt, um ihn zum Snbskribcntensnmmcln auf eigene Gefahr zu veran-lassen; den Käufer lockten sie mit Prämien, Gratiszugaben und Lottcrie-prcisen, die in Geld oder Gegenständen bestanden. War das Sortiment,dem neuen Hasten und Drängen mit seiner Vcrtricbsthätigkcit zu folgen,seiner Natur nach nicht geeignet? Vielen jedenfalls wollte es scheinen,als wenn der Sortimcnter nicht mit freiem und kühnem Blick ins Weiteund aufs Ganze schane, sondern gesenkten Hauptes mit saurem Blickauf das einzelne Buch stiere, nämlich wie hoch es rabattiert sei. Starkgenug und zuweilen in wenig crfrcnlichcr Form wurde dabei in den