Beschwerden über das Sortiment.
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dreißiger Jahren bemerklich, daß der Sortimenter Verlagsartikel, derenBezugsbedingungen ihm nicht anstanden, nichr zu vertreiben drohte. Undman zog auch von hier aus die Verbindungslinien nach der verstärktenNotwendigkeit dem Sortimenter unliebsamer Vertriebsarten des Ver-legers. „Sic betrachten", schrieb Theodor Lehnhoff im Börsenblatt 1840,„die Bücher als materielle Waare, bekümmern sich in der Regel sehrwenig um den Inhalt, sondern empfehlen und verkaufen vorzugsweise die,welche ihnen mit dem größten Rabatt vom Verleger geliefert werden.Dies geht so weit, daß Sortimcntshändlcr nicht selten an Verlegerschreiben, sie würden ein Werk, wenn sie -es nicht unter diesen oder jenenBedingungen erhielten, gar nicht beziehen, sondern sich für ein ähnlichesaus einem andern Verlage verwenden. Und das geschieht mit einerKeckheit und einem Trotz, als ob die Leute wirklich nicht einmal wüßten,daß sie mit einem solchen Briefe ihrer Bildung und noch mehr ihremCharakter ein töstimoninw xg.nvsrtg.ti8 ausstellen". Da sie sich aber,schließt Lchnhoff, bei solchen Grundsätzen sehr häufig für Mittelgut undnoch Schlechteres verwenden müssen, durch dessen Vertrieb ihre Empfehlungan Kraft verliert und das Interesse des Publikums abgekühlt wird, sovermindert sich mit der Zeit der Absatz, und der Verleger wird immermehr zum Schleudcrer. In der „Süddeutschen Buchhändler-Zeitnng"(1838, Nr. s!) schrieb Bernhard Friedrich Voigt in Weimar von der„gränzcnloscn Unthätigkeit vieler Sortimentsbuchhändler, die von derepidemisch herrschenden allgemeinen Indolenz und sündlichcn Bequemlich-keit unserer Zeit, schlaraffenartig angesteckt, ihr Interesse so sehr ver-kennen, daß sie ihr Geschüft ohne allen Eifer und Liebe betreiben, daßsie ihrer Trägheit fröhuen und, wie der Bäcker die Semmel, verkaufen»vollen".
Es ist selbstverständlich, daß man es hier mit Richtungen, Strö-mungen, Wandlungen im Ganzen zn thun hatte und nicht mit Er-scheinungen und Aburteilungen, die für jedes beliebige Sortimentsgeschäftdamaliger Zeit zutreffend gewesen wären. Earl Flcmming gelang es inden Jahren 1829 bis 1832 als Leiter der Wicnbrackschen Buchhandlungin Torgau, wobei ihm nur ciu Laufbursche zur Verfügung stand, indein kleinen Wirkungskreise durch originelle und mühsame Manipu-lationen hunderte vou Exemplaren der Rottcckschcn Weltgeschichte ab-zusetzen, und in Glogau erhielt er 1840 vom Bibliographischen Institut
Gkjrlmltte dt? Tottschcu Buchliaudelo, IV. 25