408 Kapitel - Die Reforniliewcgung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.
Essen, und im gleichen Jahre machte er anch schon den Versuch mit derEinrichtung wissenschaftlicher Vorlesungen („Encyklopädie, Geschichte undLitteratur der Wissenschaften"). Am 14. Juni 1834 aber rief seinBorstand Eduard Avenarius und Otto Aug. Schulz zur Begründungeines Vereins der Buchhandlungsgchilfen Deutschlands auf. Die Auf-gaben, die sie ihm stellten, sind nicht ohne geschichtliches Interesse: derVerein sollte als Organ der Stellenvermittlung dienen, er sollte unterden Jüngern des Buchhandels praktische und theoretische Bildung be-fördern, Preisaufgaben stellen, die Herstellung eines Lehrbuchs desdeutschen Buchhandels und die Errichtung einer bibliopolischcn Biblio-thek in Leipzig bewirken.
Blieb es hier zunächst im ganzen bei Anfängen allgemein geselligerArt, so suchten sich dafür die Gedanken der Unterstützung und der Fach-bildung ihr besonderes Bett zu graben, und zum Teil mit Erfolg. Keineneuen Gedanken beides, wie wir wissen. Wir erinnern uns der Orgien,die buchhündlcrischer Fachbildungs-Jdealismus zu Ausgang des 18. Jahr-hunderts gefeiert hatte. Der Unterstützungsgedankc andrerseits hatte imReformversuch von 1802 04 seine Rolle gespielt, und wenigstens für dieZeit von den Befreiungskriegen ab wissen wir, daß keine Messe verging,ohne daß beim fröhlichen Mahle, das hier und dort größere und kleinereKreise von Buchhändlern vereinte, auch für unterstützungsbedürftige Berufsgcnosscn gesammelt wurde. Horvath spielte auch nach dieser Rich-tung hin eine Rolle; neben ihm war es zur Zeit seiner Herrscher-stcllung Paul Gotthelf Kummer , an den sich unterstützungsbedürftigeBuchhändler und Buchhandlungsgehilfcn wandten; seit Beginn derdreißiger Jahre warf der Börsenverein jährlich 150 Thaler zu Unter-stützungszwecken aus, und man hatte, seit Beginn der zwanziger Jahre,sogar ein, freilich statutcnloses und in seiner Wirksamkeit recht be-schränktes, „Comitee des Vereins zur Unterstützung verarmter Buchhändlerund deren Angehörigen". Die dreißiger Jahre brachten die Gedanken derPflege buchhändlerischcr Vorbildung neu in Umschwung und rationali-sierten jene nur locker und lose gefügten Anfänge der Unterstützungs-bewegung. Man sprach in ersterer Beziehung von einer buchhändlerischcnLehranstalt oder malte einen Vorbildungsgang aus, der nur über Gym-nasium, Lehrzeit und Universitätsbcsuch hinweg ins Reich des Gehilfenoder der Selbstständigkeit führen sollte. Was den zweiten Punkt betrifft.