Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

438 16- Kapitel: Die Reformbewegung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.

Leipziger Lehranstalt für Buchhandlungslehrlinge in Betracht, für die schonFriedrich Perthes zuerst in denBlättern für litterarische Unterhaltung"^April 1833, eingetreten war, und die nun durch Friedrich Fleischer insLeben gerufen und am 3. Januar 1853 mit drei Lehrern und neunund-vierzig Schülern im kleinen Saale des Börsengebäudes eröffnet wurde.

Zeigten so die letzten Jahrfünftc der Zeit des Deutschen Bundesleine neuen Versuche großer und allgemeiner Reformaktion.- im Fort-gang der Bildung der Kreis- und Ortsvereine, wie bescheiden dieserFortgang im ganzen auch war, sproßte doch die Saat, die die vier-ziger Jahre, oder wenn man den Namen eines Mannes nennenwill, Johannes Frommann ausgeworfen hatten. Auch waren diese Ver-eine innerhalb ihrer Gebiete keineswegs unfruchtbar an buchhändlerischcrReformarbeit. Das größte Beispiel stellte hier der schweizerische Buch-hündlcrverein auf, ein um so größeres, als es im schweizerischen Buch-handel bis dahin an aller Zentralisation uud jeder Fühlung gefehlthatte. Erfüllt von einem vorbildlich regsamen Leben, führte er schon im^ahre 1851 die Abschaffung des Kundcnrabatts durch, machte im Jahre1859 Zürich zum Mittelpunkt des schweizerischen Buchhandels und setzteden Abrechnungstermin auf vier Wochen nach der Stuttgarter Abrech-nung fest. Waren solche Erfolge keinem andern Vereine bcschicdcn, sozeigte sich umgekehrt vielleicht gerade dort wiederum, wo sie am längstenauf sich warten ließen, Verdienst und Bedeutung dieser Vereine, die inimmer neuem und unermüdlichem Ringen für das Wohl ihrer Mitglicdcr kämpften; dafür war vor allem die Vereinigung des in einWirrsal von Banden verstrickten österreichischen Buchhandels ein Bei-spiel, die sogleich im Jahre 1859 den Kampf aufnahm für Gcstattungdes Abdrucks der Gesetze, Herabsetzung der Jnseratensteuer, Aufhebung,der Bücherrevisiousämter, Erleichterungen im Postvcrkehr und Trans-portwesen, Entfernung der Hemmnisse und Hinwegräumuug der be-engenden Vorschriften, die die freie Entfaltung des Buchhandels hinderten,Einschränkung des Schulbüchcrvcrlags, Abschaffung verschiedener Miß-stände beim Schulbllchcrgeschäftc, Aufhebung des Zeitungsstempels, Ab-schluß einer Littcrarkonvention mit Rußland u. a. m.

Auf dem centralen Reformgcbictc bewirkten die Vereine keineBesserung und konnten sie nicht bewirken. Die Schleuderkonkurrenz der