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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Znkunftsbuchliandel. Spannung zwischen Verlag und Sortiment. 447

Natürlich konnte das nicht heißen, sie seien ausdrücklich in einseitig ver-legerischcm Interesse aufgestellt worden; allein indem sie ausgesprochener-weise weder spezielle Interessen der Verleger, noch spezielle Interessender Sortimenter vertraten, ließen sie, je weiter sich die krisenerregendenDauererscheinungen entwickelten, unmittelbar am meisten für den Sorti-mente zu wünschen übrig, wenn auch freilich eine Änderung derSatzungen nach dieser Richtung nichts anderes als eine Revision der,den Geschäftsverkehr der Buchhändler weder unter sich, noch mit demPublikum berücksichtigenden, Statuten auf der Grundlage einer um-fassenden Reformaktion bedeuten konnte. Hinzu aber kam, daß dieBuchhändler, die noch vor Begründung des Börscnvereins dessen Grund-lagen geschaffen hatten, Verlcgcrsortimcntcr gewesen waren, die Buch-händler, die nach seiner Begründung jährlich in Leipzig zusammentraten,in immer überwiegenderem Maße Verleger waren; und hinzu kamweiter, daß neben dem Börsenvcrcin die Verleger sich zu besondern Ber-lcgcrvcreinen zusammenschlössen. In Berlin hatten sich schon im Jahre1839 28 Verleger zu gemeinsamen Maßregeln gegen säumige Zahlerzusammengeschlossen; 85 Sortimenter schuldeten ihnen zusammen 20697Thlr., sodaß durchschnittlich aus jeden Sortimenter 255, aus jeden Ver-leger 739 Thlr. entfielen. Im Jahre 1848 entstand dann der BerlinerVerlcgcrvcrcin, der nach seinen Statuten vom 24. März 1852 zurHerbeiführung ordnungsmäßiger Saldierung in der Ostermcsse folgendeMittel anwandte: Mahnung mit Drohung, zeitweilige Krcditent-zichung, gänzliche Kreditentziehung, entsprechende Bezeichnung (Weg-lassuug) auf der Liste des Vereins, Einziehung des schuldigen Saldodurch Wechsel, Einziehung des schuldigen Saldo durch gerichtliche Klagen.Vier Wochen nach Pfingsten wurde eine erste, nach Schluß des Jahreseine zweite Nestantcnliste aufgestellt. Nach seinem Muster wurde am4. Juni 1853 eine Leipziger Vcrlegcrvcrcinigung begründet, der bei ihrerErrichtung 24 Leipziger Handlungen angehörten, und die am 4. Juni1857 die Gcschäftsnormcn noch verschärfte. I. A. Nomberg beschriebin einer Broschüre der fünfziger Jahre (Enthüllungen aus dem Buch-handel") seine Geschäftsgrundsätzc. Er lieferte erstens schlechterdingsnichts an Kommissionäre, auch nicht gegen bar. Zweitens:Ich habedie Contis eingeschränkt, es ist bei theuerm Verlag nicht möglich, großeAuflagen zu drucken, und eine geringere Anzahl von thätigen Hand-