^46 10. Kapitel: Die Refvrmbcwegung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.
Blatter aber fallen und der Winter kommt, . . ist er wieder der ge-horsame Diener und ideale Geschäftsmann, der seine Nebcnmenschendurch Ansichtssendungen erfreut."
Und der Buchhandel der Zukunft? Herr Werden, der Buchhändlerder neuen Zeit, legt sich nicht darauf „neue Bedürfnisse zu wecken".Die vorhandenen lokalen littcrarischcn Bedürfnisse befriedigend, erarbeiteter sich daneben nach den Hilfsmitteln der Bibliographie, Antiquar-katalogcu u. s. w. einen mit Preisen versehenen Zettelkatalog der Horaz-littcratur nnd fängt dann an zu laufen, zu verkaufen und Katalogeherauszugeben. Einen „Ovid-Handel" läßt er jetzt schon ebenso durchden Gehilfen vorbereiten. Vergil kommt hinzu und zu der Litteraturüber die drei Dichter alles, was die bildende Kunst im Zusammen-hange mit ihnen hervorgebracht hat. Herr Werden verschickt keineAnsichtssendungen, sondern 60 Exemplare einer — nicht von ihmherausgegebenen, aber mit dem Aufdruck seiner Firma versehenen —bibliographischen Zeitschrift, der „Litteratur-Zeitung des Börscnvereinsdeutscher Buchhändler"; sie enthält eine vollständige Bibliographie derin Deutschland erschienenen Bücher, das Verzeichnis aller in deutschen Zeitschriften enthaltenen Aufsätze, das Verzeichnis der neu erschienenenAntiquar- und Auktionökatalogc, Nachrichten von Gelehrten und ge-lehrten Anstalten, darunter die Lcktionskataloge und Programme derUnivcrsitätcu, landwirtschaftlichen nnd polytechnischen Institute, Bau-Akademien, Gymnasien und Realschulen u. s. w., uamentlich auch einVerzeichnis der im Druck befindlichen Werke, und schließt grundsätzlichdie Beurteilung von Schriften und Schriftstellern aus. Und der Kom-missionär ist uicht mehr „der Leipziger Commis des Verlegers", sondernsein Hauptabnehmer, Großsortimcntcr, der die Vcrlagsartikel fest oderin Kommission in Partien bezieht und an die Sortimcnter auf eigeneRechnung im Einzelnen wieder verkauft.
Damit aber, daß die allgemeinen Reformversuchc scheiterten, währenddie Verhältnisse, denen sie entgegentreten sollten, sich mit dem Fortschreitender Zeit in der dem Sortiment abgünstigen Weise nur immer stärker aus-prägten, verschärfte sich der Gegensatz zwischen Verlag und Sortiment.
Es war eine alte Beschwerde, daß in den Satzungen des Börsen-Vereins die Interessen der Sortimcnter nicht genügend vertreten seien.