Der gcincine Haus- und Hofbuchhcindlcr.
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;n verbreiten, und schließt die ergebene Bitte daran, sie möge ihm dasselbeim nächsten Jahre vergönnen. Wenn der Schnee schmilzt, im MonatFebruar oder März, bemerkt man eine auffallende Unruhe im Geschüft.Der Chef geht wiederholt darin auf und ab, ohne etwas erreichen zuwollen, er sieht die vollen Bücherregale an, ohne die Leiter zu besteigen;das Personal wird aufmerksam, wechselt besorgte Blicke und weiß, daßdie jährliche Hcimsendung der nnabgesetzten Neuigkeiten nahe bevorsteht.Dieselbe nimmt vier bis sechs Wochen, auch längere Zeit in Anspruchund wird nach einem fetten Jahre an etwa drei Viertel desEmpfangenen ausgeübt. Höchst charakteristisch ist dabei eine eigenthüm-liche Manipulation, welche die Arbeit verwickelt und der späteren Rech-unngscorrespondenz ein bedeutendes Material für Differenzen zuführt.Es giebt nämlich immer eine Reihe von Büchern, welche der Sortimcnts-^uchhändler. . noch zu verkaufen hofft. Er hält es aber für unbillig,dieselben auf sein eigenes Nisico zu behalten und dem Verleger schonjetzt zu bezahlen. . . Er . . drückt das ganz kurz mit dem sinnigenWorte „disponieren" ans. Es kommt auch vor, daß einzelne Hand-lungen so scharssichtig sind, mit diesem Begriff der „Disponcnden"weiter zu arbeiten und mittels desselben allerhand Bücher nicht zu be-zahlen, die sie abgesetzt haben, eine Praxis, welche durch die Nachstellungender Verleger allerdings einigermaßen erschwert wird. Wenn die letztenKrebse das Haus verlassen haben, fängt die Natur schon an, grün zuwerden, das Osterfest steht vor der Thür, und der gemeine Haus- undHofbuchhändtcr . . stellt seine Zahlungsliste zusammen. . . Die Kundenbezahlen langsamer, als er gehofft hat, obgleich er weiß, daß er zu denbevorzugten Gläubigern gehört, die man am längsten warten lassenkann. Er entschließt sich, mit dem Bankier zu sprechen, der ihn mitder allgemeinen Geldnoth tröstet und ihm aus diesem Grunde auch nurfür hohe Zinsen das Eapital vorstrecken kann. . . Eine „Kleinigkeit"bleibt er dem Commissionür noch schuldig, der für ihn auszahlt. . .Wenn die Rosen anfangen, zu blühcu, beginnt bei unserem Freunde diebittere Betrachtung, ob er nicht gescheidtcr gcthan hätte, etwas Andereszu werden. Mit solchen Gedanken und guten Rathschlügen an Durch-reisende, wie man die Umgegend am vortheilhaftcsten besucht, beschäftigtsich der Haus- und Hofbnchhändler an warmen Sommertagcn, abgesehenvon den laufenden Geschäften, die ihm der Tag zuführt. Wenn die