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11. Kapitel: Vom alten Bund ins neue Reich.
(W. Hertz) in Berlin . Die Scheidung in wissenschaftliche und schön-wissenschaftliche Vcrlagsrichtung, Hand in Hand gehend besonders deutlichin den tieferen Stufen der letzteren mit der Beziehung auf Aufnahme-schichten höherer und tieferer Lage, war aber schärfer ausgeprägt. Wirhaben hier an der Spitze etwa den großen Romanverlcger O. Janke,der 1842 von ihrem Vorbesitzcr F. A. Hcrbig Horvaths Buchhandlungin Potsdam übernahm und sie 1850 als reinen Verlag nach Berlin überführte; mit den Romanen von Mündt und der Luise Mühlbach legteer den Grund, er erwarb Alexis' Romane und den belletristischen Ver-lag von I. Meidingcr Sohn Comp, iu Frankfurt a. M., brachteSpielhagcn, gründete endlich 1864 die Deutsche Nomanzcitung. Starkarbeitete auf diesem Gebiete Stuttgart : so die Mctzlersche Buchhandlung,die Scheffels Dichtungen brachte, die Frunckhschc Vcrlagshandluug mitihrer Kabinettsbibliothck „Belletristisches Ausland". Wir haben weiterunten Vcrlagshandlungcn, die LcihbibliothekSlittcratur zu Markte brachtenund solche, die sich an das „Volk" wandten. Für jene war bezeichnendChristian Ernst Kollmann in Leipzig , bei dem u. a. die Schriften vonAugust Leibrock erschienen, für diese etwa Julius Bagels Verlag inMülheim , der Volksbücher, humoristische und Jugcndschriftcn und vorallem lange Reihen wohlfeiler und damals massenhaft verbreiteter Volks-crzählungen brachte; und Reutlingen , mit Fleischhauer K Spohn, EnßlinLaiblin, war ein Nest volkstümlichen Verlags, in dem Traditionengleichsam aus den Urzeiten der Buchdruckcrkunst fortlebten.
Eine sehr bedeutende Rolle in der Pflege spezieller Vcrlagsrichtungspielte der pädagogische Verlag, und man kann hier eine wissenschaftliche,eine allgemeine und eine volkstümliche Stufe unterscheiden. Auf jenerersten war auf dem Gebiete speziell der klassischen Philologie und Alter-tumswissenschaft das hervorragendste Beispiel B. G. Teubncr in Leipzig (gegr. 1811), bei dem seit 1849 die Lidliotdee^ serixtoium (FiÄseorumet. Rornanoruin "leudnermiig, erschien. Seit den vierziger Jahren ent-wickelten ihren umfassenden Schulbüchcrvcrlag in Leipzig Julius Klink-hardt und Friedrich Brandstcttcr, während in Österreich z. B. der Ver-lag von Pichlcrs Witwe <K Sohn blühte.
In der ferneren EntWickelung der Verlagsspezialisicrung darf manaber vor allem auf Berlin hinweisen. Denn hier gehörte Carl Hey-mann (1834—1862) zu den hervorragendsten Beispielen der Pflege