Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
465
Einzelbild herunterladen
 

Kolportage- und Rciscbuchhandcl.

465

rcchtswisscnschaftlichcn Verlags, Gropius (scit 1827) zu dcncn der Pflcgcdes Architckturvcrlags, Ernst Korn (gegründet 1842) zu denen derPflcgc bauwisscnschaftlichen und technischen Verlags, und hier fanden sichauch die Fälle, die vielleicht zu der bedeutendsten strengen Spezialisierunggehörten: die Hirschwaldschc Buchhandlung Eduard Aber in Berlin (ge-gründet 1816), die seit den 1840er Jahren den bedeutendsten medi-zinischen, Ernst Siegfried Mittler (gegründet 1815, seit 1848 E. S.Mittler ^ Sohn), der den bedeutendsten militärischen Verlag Deutsch-lands aufbaute. Neben ihnen war ein glänzender Vertreter der Pflegespezieller Vcrlagsrichtung Bernhard Friedrich Voigt , der Mitbegründerdes Börscnvcrcins (geboren 1787, etabliert 1812 in Sondcrshausen,Übersiedelung 1822 nach Ilmenau, 1834 nach Weimar ), in dem sichdie populär-technologische Vcrlagsuntcrnchmung verkörperte; schon mitdem Jahre 1817 begann das Erscheinen des nahezu 300 EinzclwcrkeumfassendenSchauplatzes der Küustc und Handwerke".

Neben dem mittels der Buchhüudlcrvcrzcichnisse greifbaren Buch-handel aber wurden die Vorstufen zu einer neuen Entwickclung desKolportage- und Nciscbuchhandcls angelegt. Uralt war das Gewerbedes Büchcrhausicrcrs, und wie Bedürfnis und Produktion in den ein-fachsten Formen der Klein- und Volkslittcratur im Grunde unverändertblieben, so blieb auch der Vertrieb des Büchcrhausicrcrs durch dic Jahr-hunderte in unveränderter Form erhalten. Daneben entstanden in Zielund Zurichtung neue Gestalten der Büchcrware seit den dreißiger undvierziger Jahren: die billigen belletristischen Blätter, der Kalender inder Art von Andres Nationalkalcnder und Gubitz' Volkskalendcr, dieSchriften dcr Volksschristenvcrcine: billige, in Lieferungen erscheinendeSchriften, die zunächst, wie wir uns entsinnen, so vertrieben wurden,daß dcr Verleger selbst Kolporteure anstellte, durch sie Abonnentensammeln licß und diese dcr Buchhandlung des nächsten Ortes über-wies. Publikum und Produktion solcher Littcratur nahm zu; unsereFamilicnjournalc kamen hinzu und dann die billigen Klassikcrausgaben,daneben, scit dcr ersten Hälfte der sechziger Jahre, der neue Schauer-roman; und dcr angestellte Kolporteur wurde zum selbständigen Ge-werbetreibenden.

Der erste, der sich in großem Maßstäbe angestellter Kolporteurebedient hatte, war der Begründer des Bibliographischen Jnstitnts, Joseph

Geschichte des Deutschen Buchhandels. IV. 30