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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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11. Kapitel: Vom alten Bund ins neue Reich.

Meyer gewesen; sein Sohn, Hermann Julius Meyer , wurde von ähn-licher Bedeutung für die Entwicklung des RciscbuchhcmdclS in Deutsch-land . Handelte es sich dort um den Vertrieb in Lieferungen erscheinenderbilliger Volkslcktürc, so hier um den Vertrieb großer encyklopädischcrWerke. Wir wissen, wie auch hicriu schon die dreißiger Jahre kräftigvorangegangen waren. Julius Meyer, nach dem Tode des Vaters,1856, von seiner VcrlagSthütigkcit in Ncwyork zurückgekehrt, führte nachamerikanischem Muster den Reiscvertricb vonMeyers Konvcrsations-Lcrikon" mittels gebundenen Musterbandes (anstatt der bisherigen Probe-hefte) und mit monatlichen oder vierteljährlichen Teilzahlungen ohneErhöhung des Ladenpreises ein.

Politisch, rechtlich, sozial, gewerblich, technisch, kommerziell stelltenso die letzten Jahrfünfte vor Ausgang der sechziger und Beginn dersiebziger Jahre ein Zeitalter verhaltenen Fortschreitens und Umgcstaltcnsdar, das mit Ungeduld starker befreiender und lösender, an- und fort-treibender Ereignisse harrte.

Und diese Ereignisse kamen: sie traten ein im Gefolge des Jahres1866, durch das Deutschland vom alten zum neuen Bund, und derJahre 1870/71, durch die es vom neuen Bund zum neuen Reiche ge-führt wurde.

Von den kriegerischen Ereignissen wurde auch der Buchhandel mitbetroffen. Böse Jahre allerdings hatte der Buchhandel auch in denvorangegangenen Jahren kennen gelernt. Die ersten fünfziger Jahrewaren teure Zeit die Jahre freilich, in denen einer der allcrcrfolg-reichstcn Artikel auf den Markt kam, Gustav FreytagsSoll undHaben" und noch schlimmer waren die letzten; Friedrich Volckmar mußte zur Ostcrmcsse 1858, um die Mcszgcschäfteeinigermaßen an-ständig abzuwickeln", den Kommittenten 43 000 Thalcr bareö Geld vor-strecken. Außerordentlich eindrucksvoll aber war in der Wirkung, dieder Fcldzug von 1866 auf den Buchhandel ausübte, die Störung, dieer für die Leipziger Centrale mit sich brachte. Denn nicht Begeben-heiten wie die, daß nach dem Einmarsch der Preußen in Leipzig einOffizier in der Expedition derGartenlaube", die schon Ende 1863 inPreußen verboten worden war, eintrat und das Erscheinen des Blattesgänzlich untersagte, wie dramatisch uns auch gerade diese Begebenheit