Kantate 1867.
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meinsame Kantatefestmahl, statt. Ein allzu geringfügiger Umstand?Es scheint vielleicht so; aber doch war er außerordentlich bezeichnendfür den buchhandclsgcschichtlichcn Entwickclungsgang, wie er im Wandeldes Leipziger Meßlcbcns sich abspiegelte. Um das Jahr 1840 hattesich die Leipziger Abrechnung auf 2 bis 3 Wochen „verkürzt". ZuOstern 1866 brachte Alexander Duncker aus Berlin einen Antragein, in dein als Ergebnis die Veränderungen und Anforderungen sichzusammenfaßten, wie sie sich in dieser Richtung inzwischen weiter ent-wickelt hatten. Er schlug die Verkürzung der Abrcchnungsstnndcn unddie Verwertung der dadurch gewonnenen Zeit für den kollegialen Ver-kehr vor. So wurde von Jubilate 1867 ab die Börse erst vom Montagnach Kantate ab, und zwar nur vormittags von 8 bis 1 Uhr geöffnet.Der Sonntag Kantate, ursprünglich der Tag, an dem die zu Jubilateeingeläutete Messe wieder ausgeläutet wurde, war nun der Beginn derBuchhändlermcsse; und an ihm, nachdem am Donnerstag die Vor-standösitzungen, am Freitag die Sitzungen der Ausschüsse begonnen hatten,sand von nun ab nach der „Generalversammlung " (die Bezeichnung ,.Haupt-versammlung" wurde erst später üblich) das gemeinsame Kantatcfestmahl(im SchützcnhauS, dem jetzigen Krystallpalast) statt, das bis dahin in somanche kleinere Kreise zersplittert war. Zn diesem Festmahl — 450 Per-sonen nahmen nn dem ersten teil — wurden außer den Spitzen der könig-lichen und städtischen Behörden, dem Stadtkommandanten und dem Rektorder Universität „Gelehrte und Autoren" geladen, um der jährlichen ge-meinsamen Zusammenkunft eine „veredelte Erweiterung" zu verleihen undsie zu einer „erhöhten Feier" zn gestalten, zu einem „geistigen Brenn-punkte, in welchem sich alle Elemente in fruchtbringendster Weise be-rühren" könnten. Vor dem Sonntag Kantate lag als Mcßtag nur nochder Sonnabend, der aber lediglich zur geselligen Vereinigung bestimmt war;dazu waren, und ebenso für den Montag bis Donnerstag nach Kantate,Räumlichkeiten im Hotel de Prusse reserviert; au weißen Schleifenkenntliche „Festordner" walteten hier ihres Amtes, die besonders derVermittlung persönlicher Bekanntschaft zu dienen hatten. So hatteder kollcgialische Verkehr, aber auch der geschäftliche Charakter der Buch-händlcrmesse von nun ab ein anderes Gepräge. Man war zum Teilanfänglich der Meinung, die Abrechnung werde sich bei der kürzernZeit gegen früher ausdehnen; aber das Gegenteil trat ein: da man