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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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11. Kapitel: Vom alten Bund ins neue Reich.

alle sonstigen Angclcgmhcitcn, die bisher die Abrechnung selbst umranktund durchzogen hatten, im geselligen Verkehr erledigen konnte, so wur-den jetzt schon am Mittwoch die letzten Abrcchncr mit ihren Geschäftenfertig. Die Ostermcß-Abrcchnung 1866 war formell die letzte gewesen,bei der das althergebrachte persönliche McßabrechnungSgcschüft in An-wendung kam; wenn wir ja auch wissen, daß es schon lange auf einensehr kleinen Kreis beschränkt war, und wie es andererseits auch vonKantate 1867 ab nur nach und nach aufhörte, da auf der Börse selbstabzurechnen den Mitgliedern des Börsenvcreins unvcrwchrt blieb. Nun,welches Licht werfen diese Vorgänge auf den großen Gang menschlichenFortschritts. Einst, am Ausgange des deutschen Mittelalters, währtedie Messe eine Woche; dann hatte das Wachstum sie gedehnt und gestrecktbis zur Dauer von sechs Wochen; jetzt waren Werkzeuge geschaffenworden, die die Bewältigung nicht nur dieses selben, nein, eines be-ständig und zwar in immer höhcrm Maße wachsenden Stoffes inner-halb weniger Tage gestattete. Zu Kantate 1868 wurden dann aus-drücklich die sogenannten nachträglichen Börscntage aufgehoben und derMittwoch vor Himmelfahrt wurde als letzter zulässiger Termin festgesetzt,bis zu dem Buchhändlcrzahlung in Mcßvaluta geleistet werden konnte.Denselben Einschnitt zeigte in seiner Art das Vcrcinsorgnn des Börsen-Vereins der zu Ende Juni 1867 921 Mitglieder zählte, dasBörsenblatt für den deutschen Buchhandel- mit wöchentlich einmaligemErscheinen hatte es im Jahre 1834 seinen Lauf begonnen; vom Jahre1837 ab war es zum wöchentlich zweimaligen, vom Jahre 1853 ab zumwöchentlich dreimaligen Erscheinen übergegangen; vom Jahre 1867 be-gann es mit Ausnahme des Sonntags täglich zu erscheinen.

Die Jahre 1867 und 1868 aber, an deren Schwelle auf derBuchhändlcrmesse zu Leipzig mit den letzten Zuständen alter Zeit end-gültig ausgeräumt wurde und die Verhältnisse geschaffen wurden, wiewir sie im wesentlichen noch heute kennen, brachten Ereignisse, vondenen schon die Zeitgenossen sagten: daß mit ihnender alte Buch-handel begraben" werde. Lag dariu auch eine gewisse Übertreibungsofern erstens diese Ereignisse nicht die einzigen Ursachen der Wandlunggenannt werden konnten, sofern sie zweitens überhaupt nicht Ursachen,sondern Wirkungen einer viel allgemeinen? und liefern Strömung waren,und sofern drittens diese Ereignisse einen neuen Buchhandel denn doch