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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1889.

1867 die Notendruckschnellpresse gebaut wurde, durch die erst ganz dieMöglichkeit der billigen musikalischen Klassikerausgabcn gegeben wurde. Undum für das Wesen des technischen Fortschritts ein anschauliches Beispielzu geben: um 1800 hatte Deutschland mit ungefähr 1300 Bütten imJahre 1520000 t Papier und Pappe erzeugt; im Jahre 1900 er-zeugte es mit 1500 Papier - und Pappenmaschinen und 125 Büttenrund 1000000 t Papier und Pappe, also rund das Fünfzigfache, wäh-rend die Zahl der Arbeitskräfte sich nur etwa verachtfacht hatte. Ver-änderungen der gleichen Art aber vollzogen sich entsprechend auch aufdem Gebiete der geistigen Aufnahme. Der Fortschritt der Technik istdas Gegenstück des Fortschritts der Triebkraft und Verbreitung derBildungsbedürfnisse. So machte die Technik den Beginn mit ihrengegen früher unvergleichlichen Fortschritten in einer Zeit, in der auch Ver-breitung und Bedeutung der Bildung Fortschritte zu machen begannen,unvergleichbar gegen früher. Darum aber, wie jetzt dieselbe Zahl derMenschenhände in derselben Zeit mittels der Maschine ganz andereMengen produzierte als früher, so bedeutete jetzt auch schon die gleicheZahl der Käufer vermöge der gesteigerten Bildungsfordcrungen einanderes Maß des Verbrauchs als früher. Die Küuferwelt wuchsgerade jetzt nicht nur an Zahl der Köpfe, sondern mehr denn je anFähigkeit der Aufnahme, an Fassungskraft und -trieb teils vermehrten,teils erhöhten und vertieften Bedarfs. Welche Fortschritte in diesenJahrzehnten in der Geschichte der Schulbildung; welche gesteigertenForderungen an wissenschaftliche Durchbildung in Industrie, Verkehrund Handel; wo war vordem der Arbeiter der neuen Jahrzehntemit seinem ständig steigenden Bildungsbedürfnis? Es war etwaseit der Mitte des 19. Jahrhunderts, seit Beginn der nachmärzlichenZeit also, die sich so auch hier wieder als der Beginn neuer Ver-hältnisse zeigte, daß die städtische Bevölkerung, die bis dahin hinterder ländlichen an Zahl weit zurückgestanden und noch nicht einDrittel ausgemacht hatte, zu steigen begann. Im Jahre der Ncichs-gründung betrug sie immerhin erst 36 sodaß damals auf die Land-bevölkerung noch 64 kamen. In den Jahren 1880 und 1890 aberbetrug der Procentsatz der städtischen Bevölkerung 42 und 47, der derländlichen 58 und 53. Die Zahl der Großstädte (Städte über 100000Einwohner) im Gebiete des heutigen Deutschen Reiches betrug im Jahre