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12. Kapitel: Die Rcformbewegung bis 1889.
auch der Buchhandel gerade jetzt nicht nur ein äußeres Wachstum zeigte,sondern daß sich auch in ihm in erhöhtem Maße innere Veränderungenvollzogen, die den Veränderungen auf dem Gebiete der Herstellung undin den Kreisen der Aufnahme in ihrer Art entsprachen?
Der damalige Buchhandel hätte sich nicht lange überlegt, wenn ernach der Art solcher Veränderung gefragt worden wäre!
„Geehrtester sie werten mein Schreiben Entscholtigen Da jch jnen zur An-zeige Bringe Das ich hier in Bremen . Meine Buchhantelung Ectlnbclirt habe undmich Geneigt fiele mit inen jn Nchcrc Gescheftsverbintnng zu Drctcn solten sieSich Geneigt filcu so Bitte jch nach jhrcm Wolwollen Mir Gefcligst Die NehercnBetinugcn mit Dcilen zu Wollen. Er Bittet. Umgehent.
Musikaligen u. Buchhantelung v. A. G......in Br . . . ."
„ . . Nun wollte Sic frcnndligst bitten mir nähere Auskunft über nachstehendeZeilen mitzuthcilcn, ich habe nämlich von der Regierung die Konsession zum Be-triebe einer Buchhandlung erhalten, folge dessen wünsche dem Buchhändler Ver-bände beizutreten und bitte Sie daher mir mittzntheilcn, an wem ich mir zuwenden habe.. ."
„Von der Köngl. Regirung in Potzdam ist mir eine folständige Concitionzu Betrieb der Buchhaldcl ertheilt so das mir jetz gaar nichts in Wege steth,sondern ich kann nun handlen mit alle Bücher was ich will, Jn folge dessen er-laube ich mich nun bei Ihnen: Anzufragen, ob wir nun vieleit ein größers Ge-scheft znscunmc machen konte, den ich würde mich den on kein andern Buchhändlerwenden, wenn Sie mich zum Exempcl Bücher g. Lonäition hergebe, wenn so wasneues Gangbare Sachen Erscheint, oder auf welcher Art dies sich machen lest,bitte ich Sie mich darüber Auskunft zu crtheilcn. Mit Hochachtung..."
Solche und ähnliche Zuschriften wurden zu Beginn der siebzigerJahre häufig in der buchhcindlcrischcn Fachpresse mitgeteilt, und gleich-gültig, ob sie nun alle authentisch oder nicht, ob sie alle wirklich ganzgetreu waren oder ob ihnen auch zuweilen in Stil und Schreibungetwas nachgeholfen worden sein mochte, so war eben die Mitteilung solcherBriefe, wie sie bis dahin noch niemals stattgefunden hatte, eine höchstbezeichnende Erscheinung der Zeit. Freizügigkeit und Gcwerbefreihcitmußten, wie auf allen Wirtschaftsgebieten, so auch im Buchhandelneue Sorgeu, neue Reibungen, neue Jntercssenkämpfe bringen; alteSorgen, alte Reibungen, alte Jntercssenkämpfe auf weiterer und be-wegterer Fläche.
Vergegenwärtigen wir uns aber vorerst die Entwickelung der ge-samten Geschäftszweige, wie sie sich nach den Angaben des offiziellenAdreßbuchs für das Vierteljahrhuudcrt von 1865 bis 1890 darstellt.