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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Modernes Antiquariat.

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Zugleich aber trat jene Richtung auf denneuen Buchhandel" hin,die wir vom 18. Jahrhundert ab verfolgen konnten und zuletzt in Er-scheinungen der fünfziger und sechziger Jahre gipfeln sahen, in einerGröße und Grundsätzlichkeit auf, die die Vergangenheit weit hinter sichzurückließen. Es gab auch jetzt eine Frage derLager-Entschüttung".Es gab freilich keine Tauschlager mehr, auch keine festen Sortiments-lager, die die Frage dringend gemacht hätten, wohl aber eine gesteigerteVerlagsspekulation, die gerade bei dem Schwinden der alten Gegen-seitigkeit in Erfolg und Mißerfolg mit verdoppelter Nobustheit vorgehenmußte. Ebendeshalb aber lag mit dieser Entschüttung auch keine bloßeÜbergangserscheinung mehr vor, sondern eine Dauererscheinung, die sooder so im System des Vertriebes ihren Platz finden mußte.Ichselbst", schrieb im Januar 1879 einer der tüchtigsten und überzeugtestendamaligen Vertreter dieser Richtung, Emil Strauß in Bonn ,erkennein dem Überhandnehmen der Schleudern den Ruin des Sortimentes inseiner jetzigen Gestalt; ich habe seit der Übernahme meines Geschäftess1870^ so lange gegen dieselbe angekämpft, als das möglich war. . .Heute würde es einer Selbstverurtheilung zum allmählichen Absterbengleichkommen, wenn sich ein Sortimente? in lamentablen Protesten undReden ans Publikum, einem hier in Bonn in voller Blüthe befindlichenmodernen Schleuder-Antiquariate gegenüber ergehen, oder sich in Noth-schreien im Börsenblatte über die täglich in Masse von Berliner undLeipziger Engroö-Schleudcrgcschäften an Professoren, Studenten, Lehreru. s. w. verbreiteten Rabattoffcrten Luft machen wollte. . . Nach deralten Schule buchhändlerisch erzogen, habe ich . . meinen Umsatz allmählichsich verringern, den Verkehr in meinem Laden stiller werden sehen. Ichhabe. . gefunden, daß es kein Mittel gibt, welches die alte Praxis desBuchhandels lebensfähig zu erhalten vermöchte, und mehr nnd mehr dieÜberzeugung gewonnen, daß die Zukunft dem nach kaufmännischen Grund-sätzen eingerichteten modernen Sortiment gehört. Die ins Unsinnigegesteigerte Anzahl der Geschäfte läßt nach der alten Praxis die Einzelnenihr Auskommen nicht mehr nebeneinander finden, es bricht also mitNaturnotwendigkeit der Kampf ums Dasein im Buchhandel los, der

nur im Untergange des Schwächeren sein Ende finden kann." Und im

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