Reformrichtungen.
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9. Der Verleger soll sich allmählich mehr und mehr daran gewöhnen aus denKommissiousvertrieb seiner Artikel zu verzichten (von berechtigten Aus-nahme» abgesehen). Er brauchte in der Regel wohl nur die Hälfte oderzwei Drittel der bisherigen Auflagen zu drucken und könnte das hierbeigesparte Geld für Inserate, Reklamen und direkte Prospektvcrsendung weitnutzbringender verwenden.10. Der Sortimenter soll sich allmählich mehr und mehr daran gewöhnen,seinen Absatz hauptsächlich durch Versendung von selbst zusammengestelltenKatalogen, Prospekten im weitesten Umkreise seines Bezirkes zu forciren;er kann hierzu die Mittel benutzen, die er bei der Drangabe der plcm-und resnltatlosen Novasendungeu erspart.
Wenn nun die Gesamtheit aller dieser Veränderungen und Rich-tungen geschichtlich so wohl begründet und verständlich waren, welcheswaren, rein buchhandelsgeschichtlich angesehen, die Gründe und Rccht-fertigungsgründe der Zeit, aus denen sie zu beklagen und bekämpfengewesen wären? Die Antwort ist in der Darstellung der Verhältnisseselbst und ihrer Entwickclung nicht nur in den zurückliegenden drei odervier Jahrzehnten, sondern den zurückliegenden drei oder vier Jahrhundertenenthalten: der Buchhandel war vor den Kampf um die Erhaltung einerOrganisation gestellt, die das deutsche Volk in diesen vier Jahrhundertenals die ihm gemäße notwendig und natürlich aus und für sich erbauthatte. Dieser Kampf fand, soweit der Blick der Geschichte heute reicht,seine grundsätzliche Entscheidung um das Jahr 1890, und bis dahinwollen wir ihn hier verfolgen, so dann den Kreis schließend, den zubeschreiben unser zweiter Band begonnen hatte.
Wie die der Reformbcwegung der siebziger und achtziger Jahredes 19. Jahrhunderts zugrunde liegenden Anstöße nicht etwas waren,was um die Jahre 1867, 1870 als neu, unvermittelt und unerhörtin die Geschichte eingetreten wäre, sondern die Entwickclung, von An-beginn im Keime angelegt, in geschichtlich notwendigen und verständlichenBahnen sich vollzog, so kann uns auch im voraus der Aufmarsch derParteien klar sein, die zu der Frage: ob, wie, inwieweit man in ihreGestaltung eingreifen könne, einzugreifen habe, in verschiedener WeiseStellung nahmen. Wir haben auch jetzt wieder auf der einen Seiteeine freihändlerische Richtung, in der wir wieder zwei Richtungen zuunterscheiden haben: eine positive oder radikale, die vorwärtsdrängendmit dem alten Geiste der deutschen Gegenseitigkeit brechen wollte, und