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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1889.

eine negative oder konservative, die vor allem den Börsenverein in dieFrage rcformerischen GestaltenS nicht hineingezogen wissen und dieEntwickclung im allgemeinen sich selbst überlassen wollte auf derandern Seite eine, jetzt freilich nur noch schwach vertretene Tendenz aufdie Wiederherstellung staatlicher Regulierung. Dazwischen rauschte einstarker Strom der Forderung genossenschaftlicher Reform. In ihr warenzwei Bestandteile zu unterscheiden, die zum Teil gesondert auftraten,vor allem aber in der Art ihrer Verbindung von Bedeutung wurden:einmal der Grundsatz der Reform von oben her kraft und vermittelstdes Börsenvereins, sodann der Grundsatz der Reform von unten aufdurch freie Vereinsbildung. Endlich setzte sich in diese neue Periodeauch jene besondere Richtung fort, die die Aufgabe lediglich darin er-blickte, aufzustellen, was man früherUsaneencodex" genannt hatte, d. h.also die allgemein herrschenden Gcschäftsgebrttuche zu kodifizieren, dort, woes angezeigt schien, sie ihrem Geiste nach aus- und fortbildend und dieNachachtung der natürlichen Notwendigkeit der Sache selbst zu überlassen.

Als zu Ende der 1870er Jahre die allgemeine Rcformbewcgungschon in Fluß zu kommen begonnen hatte, wurde von einer Kommission,die wir dann noch kennen lernen werden, eine Erhebung der herrschendenKundenrabattvcrhültnisse veranstaltet; ferner hörte man in den Verhand-lungen jener Jahre, daß die diesbezüglichen Mißstände in Süddentschlandbei weitem nicht so fühlbar gewesen seien als in Norddeutschland. Wirwissen nun, daß in den Reformen, wie sie seit 1867/70 neu erstrebtwurden, nicht die allgemeinen Kundenrabattverhältnisse den Kern derBewegung bildeten; und auch das Bild, das die Erhebungen jenerKommission im Jahre 1879 lieferten, war kein allzu erschütterndes. Essetzte sich zusammen aus 79 Antworten, die auf einen au den Buch-handel Deutschlands, Österreichs und der Schweiz versandten Fragebogeneingingen. Fehlten dabei auch große und bedeutende Teile des buchhänd-lerischen Gcscuntgebiets, so lagen damit doch die Antworten von acht Ver-einen oder Verbänden (Leipzig, Hamburg-Altona, Würzburg , Cassel, ver-einigte Stuttgarter und Württembergische Handlungen, Wien, Prag ,Schweiz ), drei Gesamtantworten der Buchhändler einzelner Plätze (Königs-berg, Danzig, Wiesbaden ) und 68 Einzclantworten vor, und abgesehen vonder Schweiz waren 63 verschiedene Städte darin vertreten. In einigen